Werner Bergengruen

Geboren am 16.09. 1892 in Riga, gestorben am 04.09. 1964 in Baden-Baden.
Schriftsteller (Gedichte, Romane, Erzählungen, Übersetzungen)
Wuchs in Riga auf. Gymnasialzeit in Lübeck, Studium bis 1914 in Marburg, München und Berlin. Teilnahme am 1. Weltkrieg. Seit 1927 freier Schriftsteller. Lebte zunächst in Berlin und bei München, seit 1942 in Tirol, seit 1946 in Zürich, ab 1948/49 in Rom und seit 1958 in Baden-Baden. Wurde als Gegner des Nationalsozialismus aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Gilt als Repräsentant der „Inneren Emigration“. Sein Werk erlebte hohe Auflagen, zahlreiche Übersetzungen und hohe Auszeichnungen.

Die Eifel – „Inbild deutscher Landschaft“

DIE EIFEL,

in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 168, 23. Juli 1953.
Bergengruens Reisebericht für die überregional bedeutsame Tageszeitung „FAZ“ zieht eingangs Parallelen zwischen der Eifel und der Lüneburger Heide. Einst in eine „Aschenbrödelrolle“ abgedrängt und lange verkannt, seien beide mit dem gewandelten Naturgefühl seit Rousseau, dem jungen Goethe und der Romantik schließlich „zu den geliebtesten und umworbensten Wanderzielen unseres Landes“ geworden. Eifeltypisch sind ihm der „Hochflächencharakter“, der Reichtum der Quellen und Ströme und die auch für Laien greifbaren Spuren der Erdgeschichte. Besonders angetan haben es Bergrengruen die Maare der Vulkaneifel, gegensätzlich in ihrem Charakter wie die gesamte Eifel. Wegen dieser Gegensätzlichkeit und Vielfalt der Landschaft ist die Eifel für Bergengruen das „Urbild deutscher Landschaftsgestaltung“ überhaupt. Nicht zuletzt der beständige Gegensatz zwischen „Lieblichkeit und Schwermut“ sei eifeltypisch. Landschaftliches „Urbild“ ist ihm die Eifel nicht nur in geographischer Hinsicht, sondern auch in geschichtlicher, kultureller und politischer Hinsicht. Da ist die Eifel für ihn das Land der kleinen Dynasten, der Burgen, der Ruinen und der mächtigen Abteien in der Zeit des frühen Mittelalters. Prüm, Himmerod, Steinfeld und Maria Laach werden namentlich aufgeführt. Bergengruen verschweigt aber nicht die Kehrseite der Eifelgeschichte: die Verarmung durch fremde Heere, Kriege und nicht zuletzt durch die  besitzaufsplitternde Erbteilung. Fortschritt, vor allem wirtschaftlichen, brachten nach Bergengruen vor allem die Preußen dem „schwerfällige(n), übertreu an ererbten Bräuchen und Wirtschaftsmethoden anhängende(n) Menschenschlag“ – seit dem Wiener Kongress 1815. Ein letztes Mal noch sieht Bergengruen in der Eifel „ein Inbild deutschen Landes“, wenn er abschließend an das harmonische Nachwirken „uralter Bluts- und Kulturströme“ in diesem Landstrich erinnert.

Weitere Werke: Das Brauthemd. Novelle (1925), Die Feuerprobe (1933), Der Großtyrann und das Gericht. Roman (1935), Die drei Falken. Novelle (1937), Dies Irae. Gedichte (1946), Die Rittmeisterin. Roman (1952), Räuberwunder. Erzählung (1964), Die schönsten Novellen (1965), Dichtergehäuse (1966).