Walter Schenker

Geboren 16.7. 1943 in Solothurn (Schweiz).
Sprachwissenschaftler und freier Schriftsteller. Studierte Germanistik in Zürich. 1968 Promotion über die Sprache Max Frischs, 1975 Habilitation über die Sprache Huldrych Zwinglis. Assistententätigkeit an den Universitäten Freiburg i.Br. und Zürich, zuletzt Professor auf Zeit für Germanistische Linguistik an der Universität Trier von 1979 bis 1984. Lebt in Trier.

Das innere Drama eines arbeitslosen Lehrers. Zugleich eine Liebeserklärung an die Eifel.

Eifelorte: Hontheim, Prüm, Daun.

Eifel. Roman. Zürich 1982; Taschenbuchausgabe Hillesheim 1998; gebundene Ausgabe von Book on Demand 2005.

Zahlreiche Literaturkritiker in der Schweiz und in der Bundesrepublik zeigten sich beeindruckt. Man sprach von einem „literarisch gekonnten Werk“, von „einem der wesentlichsten deutschsprachigen Prosastücke des vergangenen Jahres“. Der Roman „Eifel“ bescherte dem in Trier lebenden Schriftsteller und Linguistik-Professor Walter Schenker erstmals eine breitere Resonanz und Anerkennung, auch über den engeren Kreis der Literaturkritik hinaus.
Der Roman erzählt vom ereignis-unaufhaltsamen Niedergaben eines arbeitslosen Gymnasiallehrers Jakob Simonis und von seinem Zusammenleben mit seiner Frau und seinem Sohn Mathias. Seine Ehefrau Gisela ist Grundschullehrerin. Den Roman bilden monologartige autobiographische „Aufzeichnungen des Jakob Simonis bis zu seinem Tod im Herbst 1977“ und eine kurze „Nachschrift“ seiner Ehefrau an Allerseelen 1980.
Mit seinen literarischen Fingerübungen, die ihm seine Frau als therapeutische Maßnahme gegen Trübsinn und Untätigkeit nahegelegt hat, gräbt sich der grüblerische Jakob Simonis in immer tiefere Schichten seiner ich-schwächenden Sozialisation ein. Bis hin zur Kindheit und Jugend auf dem Lande mit der autoritären Erziehung, mit starker religiöser Prägung und frühen Glaubenskrisen. Je mehr Jakob Simonis den Engen und Zwängen dieser kleinen Welt zu entrinnen sucht, desto tiefer verstrickt er sich in die Vergangenheit. Zur Entfremdung von der Herkunft tritt die geistige, soziale und wirtschaftliche Unbehaustheit in der Gegenwart. Hier sieht Jakob restaurative Kräfte dominieren. Längst vergessen sind die Ideale er 68er-Studentenrevolte, die er in Heidelberg noch miterlebt hat. Sie hatte eine dörflich-konservative geprägte Normenwelt nachhaltig erschüttert und ihn innerlich zerrissen. Je mehr die Vergangenheit die Gegenwart überlagert und je mehr die Gegenwart die Dimension Zukunft verliert, umso unausweichlicher sieht er sein Leben einmünden in eine „leere Wüste“. Jakobs zunehmender Wirklichkeitsverlust führt schließlich zum Selbstmord. Er hatte weder die Kraft zur Anpassung noch zum Widerstand. Alle seine Hoffnungen ruhen auf seinem Sohn Matthias: dass der einmal Mauern niederreißen und Grenzen überschreiten werde.
Zwiespältig ist die Bedeutung der Eifellandschaft im Roman. Teils spiegelt oder bedingt die als rückständig empfundene „Windschattengegend“ Jakobs verzweifelte Lage. Teils ist sie aber auch haltgebende „Übermutter“ und Sehnsuchtsziel. Die Extreme ausgleichenden „sanften Linien der Eifel“ sind Leitworte des Romans. Packend und für den Leser zuweilen verwirrend ist, dass die gegenwärtige und vergangene Zeitstufen, die Zeitstufen des sich erinnernden Ichs und des erinnerten Ichs beständig miteinander verquickt sind – in Ähnlichkeit und Kontrast aufeinander bezogen. Die Zeitstufe des sich erinnernden Ichs ist angesiedelt in den Jahren 1976 und 1977 mit Orten Neuweiler bei Trier und Daun. Die Zeitstufe des erinnerten Ichs umfass: die Kindheit und Jugend Jakobs im Hontheim und im Prüm der Nachkriegszeit, das Studium in Heidelberg und Trier seit Ende der 1960er Jahren. Es macht das Packende und zuweilen Verwirrende aus, dass hier ein labiler Mensch schreibt, der immer wieder vom  „Hundertsten ins Tausendste“ gerät. Walter Schenkers Roman „Eifel“ ist nicht nur ein „Arbeitslosen-Roman“, sondern immer auch ein „Heimat-Roman“ im weiteren Sinne. Thematisiert er doch Heimat als Problem. Protokolliert er doch den schmerzlichen Verlust von Heimat und den vergeblichen Versuch einer Wiedergewinnung.
Er ist sicherlich einer der wichtigsten und anregendsten Eifelromane der Gegenwart.

Weitere Werke: u.a. Leider. Solothurner Geschichten (1969); Professor Gifter. Roman (1979; Neuauflage Book on Demand 2007); Anaxagoras oder der Nord-Süd-Konflikt. Roman (1981; Neuauflage BoD 2006); Gudrun. Roman (1985; Neuauflage BoD 2008); Am anderen Ende der Welt (1988); Manesse. Roman (1991, Bod 2008), Zum roten Stiefel (BoD 2005), Porta Nigra (BoD 2008).