Ursula Wölfel

Geboren 16.9.1922 in Duisburg-Hamborn. Kinder- und Jugendbuchautorin.
Studium der Germanistik in Heidelberg und Frankfurt am Main. Lehrerausbildung in Jugenheim und Darmstadt.  Von 1955 bis 1958 Sonderschullehrerin in Darmstadt. Lebt seit 1961 als freie Schriftstellerin  in Neunkirchen im Odenwald.


1839 – Armseliges Leben auf den Bleihalden bei Mechernich in der Nordeifel

Jakob, der ein Kartoffelbergwerk träumte. Nacherzähltes aus seinem Leben. 1832-1854.

Kevelaer 1979 (Unter dem Titel „Jacob, Leinewebersohn, geb. 1821“ München 1989; Unter dem Titel „Jacob unterwegs“ 2004).
Mit diesem Buch schrieb Ursula Wölfel ihren ersten historischen Roman. Die Geschichte Jacob Herschels ist die Geschichte ihres Urgroßvaters. Am 20. Oktober 1821 wurde er in Rüngsdorf geboren, als ältester Sohn des armen Leinewebers Andreas und der Dienstmagd Margaretha. In Zeitsprüngen mit erzählerischer Ausschnittvergrößerung vergegenwärtigt Ursula Wölfel vor allem die Jahre 1832 und 1839 – sozial und politisch bewegte Jahre der Vormärrzeit und der beginnenden Industrialisierung in Deutschland.
Im ersten Kapitel „Das Fest“ sehen wir Jacob, zehn Jahre alt, bei der harten Arbeit in einer Bonner Fabrik und als Gefährten des blinden Karrenhändlers Daniel. Der schmuggelt in Rheinpreußen politische Bücher und Flugblätter mit revolutionären Ideen der Zeit. Er ist unterwegs zum Hambacher Fest am 25./26. Mai, das zur größten Demonstration für Einheit und Freiheit in der Zeit vor der 1848er-Revolution in Deutschland werden sollte. Daniels Wege führen auch nach Sinzig, Breisig, Remagen, Andernach, Kottenheim und Mayen – also bis in die Vordereifel und in die Vulkaneifel. Im Bleiland um Mechernich (Nordeifel) ist das zweite Kapitel „Das Kartoffelbergwerk“ angesiedelt. Jacobs Traum von einem „Kartoffelbergwerk“ meint den Traum von einer Welt ohne Hunger und Mangel. Vom 7. September bis zum 19. Dezember 1839 führt Jacob, inzwischen 19 Jahre alt, ein hartes „Maulwurfsleben“ auf den Bleihalden bei Mechernich. Seine Hoffnung: die Armut überwinden, dem Glück eine finanzielle Grundlage geben. Der verbreiteten Amerikasehnsucht jener Zeit hält er die Losung entgegen: „Hier ist Amerika“. Mit dem „Haldenverein“, dem schon bald zehn Erwachsene und zwölf Kinder angehören, verwirklicht der überzeugte Demokrat für kurze Zeit  den Traum einer sozietären Kommune des französischen Sozialisten Charles Fourier (1772-1837): Alles gehört allen! Jeder arbeitet nach seinen Kräften und Fähigkeiten! Alle fühlen sich als eine große Familie! Jeder ist sein eigener Herr! Der „Haldenverein“ wird Jacobs „Kartoffelbergwerk“ zumindestens für eine kurze Zeit. Die Erzförderung steigt, der Verdienst wird besser, die Arbeit leichter. Der hereinbrechende Winter macht der Erzförderung und damit dem Haldenverein ein Ende. Am 19. Dezember 1839 kehrt Jacob nach Koblenz zurück. Hier heiratet er und eröffnet ein kleines Spezereiwarengeschäft. Das Kapitel schließt mit der Geburtsanzeige des ersten Sohnes Georg Jacob Maria Herschel am 18. Januar 1854. Karten und Foto illustrieren den historischen Roman, der im Erzählfortgang immer wieder durch kursive Einschübe aus zeitlicher Distanz unterbrochen wird. Hier fragen die Enkel den Großvater Jacob nach Details seines ereignisreichen Lebens. Eine Zeittafel ordnet Jacobs Leben ein in das Zeitalter von Restauration und Revolution in Deutschland.  Neben Mechernich sind im zweiten Kapitel auch die Eifelorte Münstereifel, Kommern und Scheven Schauplätze der Handlung. Monschau wird mehrfach genannt.