Tillmann Cremer

Liebesabenteuer im Rurtal bei Heimbach

AMOR IN DER EIFEL,

Eupen 1905.
„Wem aber verdanken Karl und Klärchen, Paul und Else ihr Glück? Doch nur den Eifelbergen, der reinen Waldluft, den heilenden Wellen ihrer Wasserläufe. Möge daher die  Eifel noch manchem geknickten Herzen Genesung, Erholung, Ruhe, Frieden und Glück bringen.“ So schließt die kleine Erzählung „Amor in der Eifel“ von Tillmann Cremer. Da geht es um Liebe in der Eifel und zu der Eifel. Klärchen, Freundin des Lehrers Karl Brand von der Münsterschule in B(onn), sucht Erholung von einem Lungenleiden im Rurtal bei Heimbach. Dort trifft sie Fräuleine Else, eine beurlaubte Lehrerin, die ebenfalls Genesung sucht. In sie verliebt sich Herr Vogel, ein Kollege Karl Brands. Mit der Verlobe von Else und Vogel schließt die kleine Erzählung. Eingeflochten sind immer wieder Spaziergänge und Wanderungen durch die Nordeifel mit ausgiebiger Beschreibung hauptsächlicher Sehenswürdigkeiten. Da wird die Erzählung nicht selten zum bloßen Rahmen für preisende Darstellungen des Klosters Mariawald, der Burgruine Nideggen, der künftigen Urfttalsperre, der „Perle der Eifel“ Gemünd, der Pulvermühlen im Rurtal und des Gnadenorts Heimbach. Hundertjähriges Jubiläum als Sitz des Gnadenbildes feiert nämlich Heimbach in dem Jahr, als die kleine Erzählung erschien: 1904. Ausführlich wird von den frommen Feierlichkeiten berichtet. Federzeichnungen der Hauptorte sowie eine Kartenskizze der Schauplätze ergänzen die dichterischen Beschreibungen. Und im angefügten Anzeigenteil empfehlen sich gleich Gasthäuser und Hotels für einen angenehmen Aufenthalt im waldreichen Rurtal. Wie ja die ganze Erzählung sich als Werbung für die Eifel versteht. „Ich muß gestehen, die Eifel darf sich mit manchen Gegenden der vielgepriesenen Schweiz, was Naturschönheiten anbetrifft, getrost messen, bis jetzt habe ich die Eifel, wie so Manche, verkannt, eben weil ich sie nicht kannte“, bilanziert der Bonner Lehrer Vogel vor seiner Abreise.
Der Liebesgeschichte vorgeschaltet ist im Zeitraffer ein Rückblick auf die Lebensgeschichte des Lehrers Karl Brand: Kindheit und Jugend eines Waisenkindes in der Eifel um die Jahrhundertwende. Vom bäuerlichen Vormund zu allen Jahreszeiten mit  Arbeit auf dem Feld, auf der Weide und auf dem Hof überhäuft, hat Karl wenig Gelegenheit zu Schulbesuchen. Der Lehrer Baumann fördert jedoch die geistige Entwicklung, ermöglicht den Besuch einer Präparandenschule und schließlich eines Lehrerseminars. Seine erste Stelle tritt Karl Brand in einem Eifeldörfchen an, bevor er nach zweijährigem Zusatzstudium Lehrer an der Münsterschule in der rheinischen Großstadt B. wird. Dass zum beruflichen Glück nun auch das private hinzutreten wird, dass Karl Brand schon bald die Tochter seines einstigen Förderers, des Lehrers Baumann, heiraten wird, das signalisiert uns die Erzählung schon früh mit Gewissheit.