Thomas Kling

Geboren am 05.06. 1957 in Bingen, gestorben am 01.04. 2005 in Dormagen.
Wuchs in Hilden auf. Besuch eines humanistischen Gymnasiums in Düsseldorf. Studium der Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte in Köln, Düsseldorf und Wien. Seit 1983 öffentliche Lyrik-Lesungen. Lebte bis zu seinem Tod auf dem Gelände der ehemaligen Raketenstation Hombroich bei Neuss.

Lyrische Anti-Idyllen auch zur Eifel

GESCHMACKSVERSTÄRKER.

gedichte, Frankfurt am Main 1989.
Schockieren und provozieren wollen die Gedichte des „ver-rückten Sprachinstallateurs“ Thomas Kling schon durch ihre sprachliche Gestalt: durch schrille Montage von Wortfetzen und Satzfragmenten und durch eigenwillige Orthographie und Interpunktion. Aufgeschreckt von der Brutalität unserer Welt, schreibt Kling an gegen „geschreberte idyllen“ und eine „outfit“-orientierte Welt. So häuft er in dem Gedicht „Brief. Probe in der Eifel“ (im Kapitel „kernseife“) Negative zuhauf. „die dikke mit weggesperrter 40 jähriger tochter“, „der debile 40 jährige sohn einer altn pendlerin“, „die bäurin, grannenkinn, die ihreigneskind totgefahrn hat, in den familien in den gequetschtn köpfn noch nach zehn jahrn das quatschende treckerrad“: Krank ist diese Welt, gefährlich und brutal mitunter und beschränkt („kurzangebundne mit brettern zugenagelte gegend“). Eine Welt, in der alles „weggesperrt“ ist, in der keine freie Lebensentfaltung möglich ist. Nicht einmal die Landschaft bietet da ein schönes Bild („ein weggesperrt/ von schmuddligen hügeln“). Klings „eifelprobe“ wird so zur lyrischen Anti-Idylle, wohl in bewusstem Gegensatz zu verklärenden Heimathymnen.


Weitere Werke: der zustand vor dem untergang (1977); erprobung herstärkender mittel (1986), verkehrsfunk (1989), brennstabm (1991), nacht.sicht.gerät (1993), wände machn (1994), morsch (1996), Itinerar (1997), Botenstoffe (2001), Sondagen (2002), Auswertung der Flugdaten (2005), Gesammelte Gedichte (2006).