Marie Carola Freiin von Eynatten

Geboren am 31.12.1857 in Verona, gestorben am 3.11. 1917 in Heidelberg.
Schriftstellerin. Lebte in Freiburg im Breisgau und in Heidelberg. Verbrachte ihre Jugendjahre in Verona und Wien, unterrichtet von Privatlehrern.

Eifelsagen – mit Wurzeln in der Ritterwelt des Mittelalters

Eifelsagen. Sagen und Geschichten.

Trier o.J. (1891). Kürze und Schmucklosigkeit sind nicht eben Kennzeichen der „Eifelsagen“ von Freiin von Eynatten. Nicht zuletzt anschauliche Schilderungen, präzise Beschreibungen und lebendige Dialoge geben ihren Geschichten epische Breite und dramatischen Aufbau. Rund 20 Seiten umfassen die längsten Geschichten, wenigsten zwei bis drei Seiten die kürzesten. Immer wieder führen sie in die Ritterwelt des Mittelalters mit Liebe, Krieg und Abenteuern, deren  Folgen noch in der Gegenwart erkennbar sind. Die historischen Geschichten feiern den selbstlosen Opfertod für Recht und Freiheit, rühmen List, Tapferkeit, Ehrgefühl, Treue, Versöhnungsbereitschaft und Gottesglauben in gefährlichen Entscheidungssituationen wie Krieg, Belagerung und Verfolgung. Auch in den dämonischen Geschichten siegt  das Gute über das Böse: über Hartherzigkeit, Treulosigkeit, Habgier, Machtgier, Verschwendungssucht, sexuelle Verführung und Hexentreiben. Das Böse kann die Gestalt einer „Nebelfrau“, einer „Hexe“, einer „Schlangenjungfrau“ annehmen. Es kann aber auch den jungen Dorfburschen, den alten, bürgerlichen Familienvater und den Burgherrn zu Fratzen der Unmenschlichkeit verzerren. Immer wieder bricht sich das Gute Bahn in plötzlichen, unvermuteten Wendungen. Der fromme Einsiedel Engelbert wird plötzlich gesund, als der Teufel bereits in Doppelgängergestalt die Zuhörer betört. Traumhaft gelingt dem Kreuzritter Georg von Pyrmont die lange ersehnte Heimkehr aus sarazenischer Sklaverei zurück auf die väterliche Burg. In der größten Not des 30jährigen Krieges zaubert ein junger Müllerbursche Bengel aus Häckerlingen ganze Armeen von Soldaten gegen die angreifenden Schweden. Märchenhafte Züge des Wunderbaren bekommen die Geschichten da immer wieder. Für Erheiterung sorgen Schildbürgerstreiche und Eulenspiegeleien, etwa in Weiler oder Dasburg. Auch Heinzelmännchen tummeln sich in
Eynattens Geschichten, so in Blankenheim und Speicher. Es sind gutmütige Geister, die aber nicht immer gutmütig behandelt werden. Die räumlich und zeitlich präzise bestimmten Geschichten werden nicht selten mit einem Ausblick in die Erzählergegenwart abgerundet. Die verfallene Burg in Altenahr, die versunkene Burg im Weinfelder Maar, die Burg Arras, das närrische Frauentreiben am „Weiberdonnerstag“, die Grotte und die Jungfrauen-Kapelle bei der Landskron zeugen noch in der Gegenwart von einer Vergangenheit, die in Sagen und Geschichten wieder lebendig wird. Und noch heute, so legt uns Eynatten nahe, spukt Kaiser Lothars Geist um Mitternacht in der Klosterkirche zu Prüm. Sucht ein Wichtelmännchen im „Wichterloch“ bei Speicher ein goldenes Pantöffelchen. Ist der hartherzige und boshafte Vater Lorenz im Tomberg gefangen.


Weitere Werke: Schwarzwaldsagen (1889), Harzsagen (1889), Mariensagen (1890), Deutsche Sagen und Geschichten (1890), Rheinsagen (1890), Aus deutschen Landen. Sagen, Märchen und Geschichten (1891), Brandenburger Sagen (1893), s’ Dorli. Eine Erzählung aus dem Schwarzwalde (1895), Aus vergangenen Zeiten. Sagen und Geschichten für die Jugend (1896), Burg Degenstein. Eine Erzählung für junge Mädchen (1901), Sagen, Märchen und Geschichten (1906), Feldberg-Geschichten (1910), Um Brot und Ehre. Erzählung aus dem Schwarzwälder Volksleben (1914), Die sich selbst vergessen. Roman aus der Zeit des polnischen Aufstandes (1915), Das Glück der Braunsberg. Ein  Roman aus Welsch-Tirol (1918).