Ludwig Mathar

Dr. phil; geb. 5.6.1882 Monschau bei Aachen; gestorben 15.4. 1958 Monschau.
Studienrat und Schriftsteller (Romane, Gedichte, Legenden, Landschaftsbilder).
Lebt zuletzt als freier Schriftsteller in Köln-Lindenthal, in Gymnich bei Köln und zuletzt wieder in Monschau. Besuchte das Progymnasium in Monschau und Münstereifel.

1898 wurde er Novize im Kloster seines Großonkels, Don Bonifacio Ostländer, Abt und Bischof des Benediktinerklosters St. Paul vor den Mauern von Rom.

Rückkehr im Jahr 1900. Abitur 1903 am Kaiser-Karl-Gymansium in Aachen.
Studierte Philologie in Freiburg, Paris, London und bonn. 1907 Staatsexamen für das Höhe Lehramt. 1909 Beendigung des Militärdienstes, Promotion an der Universität München mit der Doktorarbeit „Carlo Goldoni und das deutsche Theater des 18. Jahrhunderts“. Verlobung mit der Jugendliebe Tilla Kühn, Heirat 1912.

Von 1910 bis 194 Beginn der Lehrerlaufbahn in Münstereifel, Neuß, Köln.
Im 1. Weltkrieg schwer verwundet, dann Einsatz an mehreren Kriegsschulen.
In dieser Zeit entstehen die Gedichte des Bandes“Auch ich war dabei“, erschienen 1916. Im Jahre 1919 Wiederaufnahme des Schuldienstes (Neuß, Köln). 1922 erschien sein erster Roman „Die Monschäuer“, von der Kölnischen Zeitung zuvor uner dem Titel „Lex Martini“ abgedruckt. Nach weiteren Veröffentlichungen in rascher Folge verließ M. den Schuldienst und widmete sich ganz dem Beruf des Schriftstellers. Der Beginn der Nazidiktatur 1933 bedeutete für Mathar einen Einschnitt. „Der ,rheinische Katholik‘ Mathar paßte ganz und gar nicht in das Konzept des Regimes. Seine religiösen und historischen Romane nach 1933 sind teils der Versuch eines Arrangements, teils eine innere Emigration“, schrieb Albert Mathar. 1934 zweite Heirat. Während die erste Ehe kinderlos geblieben war (seine Frau verstarb 1926), wurden ihm in der zweiten Ehe bis 1936 zwei Söhne und eine Tochter geboren. Während des Dritten Reichs wandte sich Mathar großdeutschen Themen zu, nach 1945 vor allem christlichen Themen. 1956 lähmte ihn ein Schlaganfall. M. starb am 15. April 1958. Von 1922 bis 1958 schrieb Ludwig Mathar „insgesamt über 40 Erzählungen und historische Arbeiten in Buchform mit einer Gesamtauflage von rund 300 000 Exemplaren“ (Pejo Weiß). Der Brand „Primavera“ brachte es auf 53.000 Exemplare, „Herr Johannes“ auf 31.000 Exemplare. Schauplätze seiner Dichtung sind vor allem das Hohe Venn und Monschau, aber auch die Mosel und der Rhein (Neuß, Köln).

Ludwig Mathar: Die Monschäuer.

Ein Roman aus dem westlichsten Deutschland. München, 2. Auflage 1925; 1. Auflage 1922.

„Ja, die Monschäuer! Ein eigenthümlich Völkchen sind sie schon, diese Sonderlinge da hinten am Rande des Venns, am Ende des Reichs. Alle Welt will ihnen was am Zeuge flicken. ,Windbeutel!‘ sagen die Aachener und verziehen das Gesicht zu verächtlicher Grimasse; sie können es nicht vergessen, daß außer ihnen noch jemand anders ein solides und feines Tuch auf den Markt bringt. Schon seit Karoli Quinti Zeiten liegen sie mit dem weltentlegenen Tuchmacherstädtchen im Kriege. Die Possen und Schwänke, die sie diesen Monschäuern angedichtet haben, bilden, solange man denken kann, das Ergötzen der ganzen Gegend. (...) Wer so an der Türe der Wallonie aufpassen und Wacht halten muß, der braucht vor keinem Aachener den Hut abzunehmen. Von einem Eupener zu verlangen, den Monschäuern ein gutes Wort zu gönnen, wäre heller Widersinn; zu tief ist Neid und Feindschaft da eingefressen. (...) Ja, was wahr ist, muß wahr bleiben, die Monschäuer bilden sich nicht wenig auf sich und ihr Städtchen ein. Haben aber auch recht, stolz darauf zu sein. So ein Städtchen gibt‘s zwischen Maas und Rhein, nein, auf der ganzen Welt nicht wieder, erst recht zu der Zeit, da diese Geschichte beginnt, ein paar siegesfrohe, talerreiche Jahre nach dem  Siebziger Kriege.“

Mit diesem Loblied auf Monschau und die „Monschäuer“ beginnt Ludwig Mathar seinen Roman. Er setzt Monschauer Eigensinn, Monschauer Eigenbrötelei ebenso ein Dekmal wie dem Traditionssinn, der Tratschsucht und der Erzählfreude der Monschauer. Gleich einleitend im ersten der 25 Kapitel führt Mathar den Leser durch das Gassen- und Dächergewirr der malerischen Tuchmacherstadt an der Rur.

Im Vordergrund aber steht der Lebensweg des Lex Martini. Er ist der älteste Sohn des Buchhalters Ferdinand Martini und seiner Frau Anneleen, Tochter eines Kupfschmieds. Taufe, unbeschwerte Kindertage, Schule, Lehre beim Webermeister Imbroich und Kommunion sind die anfänglichen Lebensstationen. Doch mit der Monschauer Weberherrlichkeit ist es im Zeitalter der Dampfmaschine, der Eisenbahn und der Großindustrie vorbei. Das bedeutet auch das Aus für den elterlichen Plan, aus Lex einen Textilfabrikanten zu machen. Es ist eine traurige Zeit, in der mit dem alten Fabrikanten Liebrecht auch Lexens Vater, Ferdinand Martini, um seine Existenz kämpft. Als Liebrechts Fabrik einer Brandstiftung zum Opfer fällt, ist der Vater arbeitslos. Mit der raschen Einrichtung eines Manufakturenwaren-Geschäfts sichert die Mutter tatkräftig die Existenz der Familie. Lexens Traum, zu studieren und die Welt zu sehen, bleibt wieder einmal unerfüllt. Er muss im Geschäft aushelfen. Mit dem langerwarteten Anschluss an die Bahn verschärft sich die Konkurrenzsituation für das elterliche Geschäft. Dörferweise strömen die Kunden in die Warenhäuser der Großstadt. Die Blüte des Warengeschäfts ist vorbei. Mit dem Vater gemeinsam soll Lex Hausierer werden. Das bestandene Examen in Neumünster und die Aufnahme in das Konvikt bewahren ihn davor. Aber im Konvikt verkümmert Lex noch mehr als schon im elterlichen Geschäft. Der Ausschluß ist willkommen. Lex reißt aus nach Köln. Hier wird er Lehrling bei einem Kunst- und Buchhändler. Er versöhnt sich mit dem Vater, schafft doch noch das Abitur. Und wie es sich für Monschäuer in der fernen Welt gehört, kehrt er zurück in die Eifelheimat, in die Vaterstadt Monschau. Hier eröffnet er die erste Buchhandlung Monschaus. Darüber hinaus wirbt er mit der Gründung eines Heimatvereins, mit eigenen Dichtungen und mit Heimatfesten für die Schönheit der Eifelheimat. Alles formt er, wie es im letzten Satz des Romans heißt, „zu Heimats- und Ewigkeitswerten“, damit zu „reiner, hoher Kunst“. Mathars Roman „Die Monschäuer“ steckt voller Heimatpathos. Kurzweilig und unterhaltsam, chronologisch geordnet, entfaltet er das Leben eines Monschauer Jungen und zugleich ein Stück Monschauer Geschichte.

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