Katharina Schubert

Geboren 1948 in Potsdam. Filmemacherin, Produzentin und Autorin.
Aufgewachsen in Potsdam. Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg. Seit 1975 Autorin. Lebt und arbeitet mit ihrem Mann Dietrich Schubert in Kronenburg. Auszeichnungen: Adolf-Grimme-Preis 1981 für „Steck lieber mal was wein“, Förderpreis des Eifel-Literatur-Festivals 1998.

FLUCHTWEG EIFEL. Spurensuche an einer kaum beachteten Grenze

Köln und Zürich 1992; 2. Auflage 1995.
Am Anfang war der Film: „Nicht verzeichnete Fluchtbewegungen oder Wie die Juden in der West-Eifel in die Freiheit kamen“ des Dokumentarfilmers Dietrich Schubert, 1991 erstmals im Fernsehen ausgestrahlt. Es ist eine filmische Spurensuche nach Judenschicksalen im deutsch-belgischen Grenzraum in den Jahren 1938/39. Eindrucksvoll dokumentiert es Flucht und Verfolgung, Widerstand und Anpassung während der Naziherrschaft in Deutschland. Das Jugendbuch „Fluchtweg Eifel“ dokumentiert die Vorarbeiten zu diesem Film. Die Ausgangssituation: Der elfjährige Felix aus Berlin verbringt seine Herbstferien bei seinem Onkel Dietrich in der Eifel. Was dem Stadtkind von der deutsch-deutschen Todesgrenze zunächst langweilig anmutet, zieht es aber zunehmend in den Bann: die Eifellandschaft und ihre Menschen; die unscheinbare grüne Grenze zwischen Belgien und Deutschland; die Vorarbeiten zu einem Dokumentarfilm mit Zeugenbefragungen und Allradfahrten in umwegsamem Gelände. Es wird eine spannende Reise in eine wechselvolle Vergangenheit. Dabei wird die historische Spurensuche immer wieder selbst zum Thema: Wie sich oft zufällig neue Spuren finden; wie sich sorgfältig eingeplante Zeitzeugen überraschend verweigern; wie Wälder, Wiesenund Felder unversehens zu schicksalsschweren Räumen werden, zu stummen Zeugen leidvoller Vergangenheit. Felix bleibt da nicht lange nur technischer Handlanger, der den Cassettenrecorder anstellt, der Bandlänge und Batterieladung überwacht und beim Rangieren im Gelände hilft. Zunehmend schaltet er sich selber in die Zeugenbefragung ein, findet er selber Spuren, wertet und urteilt zunehmend über Zeugen, Zeit und Handlungsweisen. Immer wieder schlägt er Brücken in die Gegenwart. Denn wie man mit Ausländern umgeht, ob verständlich und tolerant oder eben nicht: das interessiert ihn ganz persönlich. Denn mit David Brodsky ist ein jüdischer Auswanderer aus Israel in seiner Klasse. In der Sowjetunion ist er einst schlecht behandelt worden. In Deutschland bemüht er sich, Freunde zu gewinnen. In zwanzig, meist kurzen Kapiteln spiegelt das Buch die Stationen der Spurensuche, den Fortschritt wie den Rückschritt. Höhepunkt des Buches ist die Fahrt nach Brüssel, dem Zielort vieler Flüchtlinge: der Besuch bei einer Jüdin, die Flucht und Verfolgung erleben konnte; die Besichtigung des Nazi-„Auffanglagers“ Fort Breendonk, in dem Tausende gefoltert und umgebracht wurden oder bis zu ihrem Transport in Vernichtungslager gefangen gehalten wurden. Eine klare Sprache, kurze Sätze bis hin zu Satzverkürzungen erleichtern Lesbarkeit und Verständnis. Ebenso anschauliche Detailbeschreibungen und eindringliche Dialoge. Angedeutete Ferienepisoden, so etwa die Begegnung mit einer kampfbereiten Bache, der Schlendergang auf Bahngleisen oder das tägliche Michholen im Dorf lockern den Erzählfortgang gelegentlich auf. Dazu 21 Fotos vor allem bei den Anfangs- und Schlusskapiteln. Sie dokumentieren ebenso wie die im Anhang beigefügte Karte Schauplätze, Zeugen und Kernereignisse.

In Kürze folgen Artikel zu: „Ein altes Haus für Laura“ und „Ein blindes Pferd darf man nicht belügen“.


Weitere Werke: Ein altes Haus für Laura oder Wie Old Shatterhand nach Potsdam kam (1994), Ein blindes Pferd darf man nicht belügen (1997).