Julius Thikötter

Geboren am 12. April 1832 in Barmen-Wupperfeld, gestorben am 16. November 1913 in Bremen. Evanglischer Geistlicher und theologischer Schriftsteller.

ARNULF UND JULIA

Eine Erzählung aus dem Ende der Römerherrschaft am Rhein, Bremen 1903.

Vom Ende der Römerherrschaft am Rhein und vom Aufstieg der Franken um die Mitte des 5. Jahrhunderts erzählt Julius Thikötter. Die Erzählung ist räumlich konzentriert auf die Nordeifel mit Münstereifel und Euskirchen sowie auf das Tal der Erft.

Eckdaten der Geschichte sind 462, 486 und 496. Da siegen die Frankenkönige Childerich und Sigibert bei Köln (Colonia Agrippina) über den Patricius Ägidius. Da beseitigt Chlodwig mit dem Sieg über Syagrius bei Soissons endgültig die Römerherrschaft. Und da tritt Chlodwig, weltgeschichtlich bedeutsam, nach dem Sieg über die Alemannen bei Zülpich in der Eifel zum Christentum über. Wie Römer und Franken, Besiegte und Sieger, Christen und Heiden friedlich miteinander leben können, demonstriert Thikötter am Beispiel von Arnulf und Julia. Arnulf ist ein freier Franke im Alter von 30 Jahren. Er stammt aus Tournay und ist mit König Childerich aufgewachsen. Er lebt in Flamersheim (Flametum). Julia ist eine schöne Römerin, 18 Jahre alt, hoch gebildet, christlich erzogen. Mit ihrem Vater, dem Centurio Firmius, bewohnt sie die Villa „vinea crucis“ (Kreuz-Weingarten). Arnulf rettet ihr Leben, als der Kelte Delphidius in einer Novembernacht seinem Römerhass blutigen Lauf lassen möchte. Wochenlang pflegt sie ihren verwundeten Lebensretter. Verlobung, Heirat, Nachwuchs sind die Stationen dieser römisch-germanischen, christlich-heidnischen Ehe, in der sich die Frage nach einer katholischen Taufe Arnulfs immer mehr in den Vordergrund schiebt. Mit de schließlichen Übertritt zum Christentum geht Arnulf allen anderen Franken voran, selbst dem Übertritt Chlodwigs, den er vor seiner Taufe in Reims berät. Mit der Rückkehr nach Flamersheim, mit dem Wiederaufbau der von Alemannen zerstörten Villa und mit der Ausbreitung des Christentums im Zülpichgau schließt Thikötters historische Erzählung. Gewidmet ist sie dem Andenken an den Geschichtsforscher und ehemaligen Direktor des Gymnasiums zu Münstereifel, Jakob Katzfey. Mit einer Einladung nach Münstereifel, der „Perle der Eifel“, und mit einem überschwenglichen „Eifellied“ nimmt der Erzähler Abschied vom Leser.

Weitere Werke: Weltliches und Geistliches in Lieder vom Rhein und von der Weser (1870), Einhard und Imma. Eine rheinische Sage aus der Zeit Karls des Großen (1885), Neue Rhein-Lieder (1888), Jugenderinnerungen eines deutschen Theologen (1894), Heriman, der Westfale (1887), Neue Hymnen (1902).