Josef Ippers

Geboren am 01.05. 1932 in Neuss, gestorben am 12. Juli 1989 in Neuss.
Schriftsteller. Bedingt durch den 2. Weltkrieg, besuchte er nur vier Jahre die Volksschule. Riss als Jugendlicher immer wieder zuhause aus. Wurde mehrfach in Jugendgefängnissen eingeliefert. War Tramp in drei Kontinenten. Er brachte es bis zum 40. Lebensjahr auf 23 Anlernberufe, u.a. LKW-Fahrer, Hafenarbeiter und Seemann. Schrieb seit 1956 Kurzgeschichten, Romane, Fernsehfilme und Reportagen. War seit 1971 Mitglied des „Verbands deutscher Schriftsteller“ (VS) und seit 1972 Mitglied des Werkkreises „Literatur der Arbeitswelt“.

Wandern gegen den Strom – die Erft entlang von Neuss nach Münstereifel

Flussaufwärts in die Hügel.

Würzburg 1986.
Erftaufwärts in die Eifel führt die Wanderschaft des 16jährigen Schülers Axel Ritter aus Neuß. Ähnlich wie es einst sein Vater in seiner Jugend geliebt hatte, ähnlich, wie er es in vielen romantischen Vagabundenbüchern gelesen hatte: genau so will Axel in den Sommerferien einmal im Wortsinne „stromern“. Er möchte dem Flussverlauf der Erft von der Mündung bei Neuss bis zur Quelle bei Holzmülheim folgen. Eine Wanderung „gegen den Strom“, auch deshalb, weil der 49 Jahre alte Landstreicher „Knifte“ ihn begleitet. Unter einer Eisenbahnbrücke nahe dem Neußer Hafenbecken ist Axel auf ihn gestoßen und hat ihn für seine Wanderung in die Eifel gewinnen können. Damit ist die doppelte Thematik des Jugendbuchs vorgegeben: die Begegnung mit Land und Leuten links und rechts der Erft sowie Einblicke in das Leben der sog. Tippelbrüder. Immer wieder erzählt nämlich „Knifte“ seinem jungen Freund von seinem recht unromantischen Leben in Deutschlands Großstädten. Immer wieder erfährt Axel unmittelbar, wie hart die Lebensbedingungen der als „Penner“ und „Säufer“ verschrieenen Berber sind. Und: wie intolerant man ihnen begegnet. Grund genug für Axel, zuweilen an der Bedeutung von „Gerechtigkeit“ und „Menschenwürde“ in unserer Gesellschaft zu zweifeln. Das Buch regt an, nachzudenken über das spannungsvolle Verhältnis von Heimat und Fremde, von Sesshaftigkeit und Mobilität, von Bindung und Freiheit. Die Stationen der ungewöhnlichen Wanderung sind: Neuß, Wevelinghoven, Grevenbroich, Kaster, Bedburg, Bergheim, Quadrat-Ischendorf, Horrem, Götzenkirchen, Kerpen, Roggendorf, Bliesheim, Euskirchen, Münstereifel und Holzmülheim. Es ist eine Wanderung durch naturräumlich, sozial und wirtschaftlich sehr unterschiedlich geprägte Gegenden. Da gerät die Schönheit von Flora, Fauna und Tierwelt ebenso in den Blick wie etwa die Problematik des Braunkohlebergbaus oder neuzeitlicher Stadtplanung. Kurz vor der letzten Etappe zur Erftquelle verlässt Knifte heimlich seinen Freund Axel. Eine Zeitungsnachricht vom Tod eines „Penners“ unter einer Eisenbahnbrücke beim Neußer Hafenbecken deutet Wochen später sogar auf den Tod seines Freundes hin. Der hat ihm die Augen für das Leben der Berber geöffnet.

Weitere Werke: Arabeske oder Friedhof der Winde (1971), Fischer im Sattel (1973), Das Gewehr (1974), Jonas, der Strandläufer (1976), Von Beruf Familienvater (1978), Kilians Zeiten (1981), Krach auf der Schweinswurstinsel (1986), Ein kleiner Herr auf Reisen (1987), Sie nannten ihn Willy (1988).