Josef Bauer

Geboren am 17.10. 1894 in Schaven (Stadtteil von Mechernich, Kreis Euskirchen), gestorben 1973.
Lehrer, Schulrektor und Schriftsteller (Drama, Lyrik).

DIE EIFELAHNE

Düren o.J. (1970)
Ein beispielloses Eifeler Versepos ist Josef Bauers Werk „Die Eifelahne“. In Tausenden gereimter Verse wird das Leben der 90 Jahre alt gewordenen „Eifelahne“ Kathrin nachgezeichnet, von der Geburt bis zur Hochzeit. Das Versepos blieb Fragment. Die Zeit: „Die Jahrzehnte unserer Großväter und Väter“, seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Jahr 1859 wird einmal genannt. Da hilft Kathrin schon ihrem künftigen Mann Michel bei der Hafermahd. Der Raum: „Nordeifelland um Bleibach, Vey und Erft“. Weiler am Berge ist der Geburtsort von „Kathrinchen“. Auf dem Fünfzig-Hof zu Schaven lebt ihr späterer Ehemann Michel. Bei Marktbesuchen und Wallfahrt weitet sich der erzählte Eifelraum. Weitere Hauptpersonen neben Kathrin und Michel: Godfried Böhmer, Kathrinchens Vater, Leineweber und Kleinbauer; Anne-Fin, die Mutter; Jakob Anton, Michels Vater, genannt „Jacques“ und „Bleihusar“; Marjanne, Michels Mutter. Dazu kommen noch viele weitere Weggefährten: so Kathrins Schulffreund Leonhard, der „Schwarze Kremer“, „Römerevchen“ und andere Dorfkinder. Das Personaltableau erweitern: Zaches Kremer, Schmied und Ackerer; Hansjannes Kramm, Amerika-Auswanderer; Billchen, die Wirtin zu Wachendorf; der Lehrer Loben, der Dorfarzt und der Pfarrer und andere mehr. Der Tageszeit „Morgen“ hat Josef Bauern den ersten Lebensabschnitt der Eifelahne zugeordnet. Nur dieser Teil liegt gedruckt vor.
Das Leben der Eifelahne bietet vielfältig Gelegenheit, den bäuerlichen Lebenskreis im Eifeldorf zu schildern und zu tiefen Lebenseinsichten vorzudringen. Dazu gehört, dass sich die Welt nur scheinbar, nur äußerlich verändere. Dass sie vielmehr in einen ewigen Kreislauf eingebunden sei, in ein ewiges Kommen und Gehen, in den immerwährenden Wechsel von Freud und Leid. Vor allem Vater Godfrid ist es, der aus christlicher Weltsicht heraus der heranwachsenden „Eifelahne“ immer wieder tiefe Lebensweisheiten vermittelt: über das Wesen der Zeit, über die Scheinherrschaft des Geldes in der Welt, über den Geisterglauben, über den Umgang mit Schicksalsschlägen, über die Kraft des Glaubens und der Liebe, sogar über das Wesend des Lebens. In immer größere Zusammenhänge sieht sich Kathrinchen gestellt: Kinderstube, Nachbarschaft, Schule, Dorf, Märkte und Wallfahrten, kindliche Spielzeit und zunehmende Lebensreife – auf immer neuen Lebensstufen verwebt sich Kathrins Lebensweg mit immer neuen Menschen. Immer tiefer verknüpft sich ihr irdischer Lebensweg mit christlichen Glaubensbahnen. „Christenbrauch“ einzuhalten und noch der alltäglichsten Begebenheit einen christlichen Sinn beizumessen, ist für Kathrins Eltern selbstverständlich. Wer das Leben so tiefsinnig und fromm betrachtet wie Vater Godfrid, dem wird alles zum tieferen Gleichnis. So sieht er, der Leineweber, aus dem Webwerk und Gespinn in seiner Webstuhlkammer „des Weltalls Sinn“. Ein Deutungszentrum des ganzen Gedichts bilden die Verse: „Was lebt, ist all ein eng Geflecht:/ Was langläuft, querläuft, es läuft recht/ und bindet, knotet, mustert sich“. Ein poetisches Webstück ist so auch Josef Bauers „Eifelahne“. Hineingewebt in den Lebensweg einer Person und in das soziale, wirtschaftliche und kulturelle Leben einer Region ist immer wieder auch die politische Geschichte: im Widerstreit zwischen Franzosen und Preußen, zwischen revolutionären Ideen und konservativer Hinnahme des Bestehenden, Gottgewollten. Wer davon träumt, sich über die Verhältnisse zu erheben, wie Schulfreund Leonhard, „der Flieger“ – der landet mit seinen Träumen rasch auf dem Boden der Tatsachen. Bei einem Flugversuch, mit dem er dem großen Leonardo da Vinci nacheifern möchte, kommt er zu Fall und bleibt zeitlebens ein Krüppel. Seinem Traum vom Fliegen, seinem Traum auch, sich über die Masse der Alltagsmenschen zu erheben, bleibt er treu. Um ihn zu verwirklichen, zieht es ihn aus der Eifelheimat nach Amerika. Derweil schickt sich Katharina an, mit Heirat und Familiengründung noch fester Wurzeln zu fassen in ihrer Eifelheimat. Noch in der Hochzeitsnacht, mit der „Die Eifelahne“ ausklingt, denkt sie an ihren „unvergess’nen Leonhard“. Sie vollzieht damit einen gedanklichen Brückenschlag zwischen getrennten Lebenswegen, von der „engen Eifel“ in die weite Welt. Mit seinem Versepos „Die Eifelahne“ gehörte Josef Bauer 1965 zu den Literatur-Preisträgern des Eifelvereins.


Weitere Werke: Weihnachtliche Gemeinschaftsarbeit (1931), Der Menschensohn. Weihnachtssingspiel (1932), Der Weg des Kindes. Ein Weihespiel zur Schulentlassung (1933), Die Bauernkrönung. Ein Spiel zum deutschen Oktoberfest (1933), Martinus. Ein Volksspiel von Winternot und Menschengüte (1933), Nikolaus, der heilige Mann (1934), Baldur. Ein Tanzspiel in der Sonnwendnacht (1934), Die Hirtenstunde. Kleines Krippenspiel für den Vater Veit, den langen Jan, den kleinen Pitt (1935, Neuauflage 1951), Maitag der Nation. Volksspiel (1936), Mutter und Magd. Spiel (1936), Den Müttern. Feiertexte (1936), Deutscher Erntedank. Eine Feier (1936), Gebt Raum! Deutsches Volk wirbt für den kolonialen Gedanken. Eine Feier (1936), Werk vor Gott (1948), Das Spiel vom Menschen. Nach dem alten Oberuferer Paradiesspiel (1951), Die Hirtenstunde. Krippenspiel (1951), Tösche Kahlebösch on Kluetepott  (1968).