Johann Hubert Schmitz

Geboren am 27.08. 1807 in Manderscheid, gestorben am 11.10. 1882 in Zell an der Mosel. Dr. theol. Katholischer Pfarrer und Heimatforscher.
Studierte nach dem Abitur 1829 in Trier am Priesterseminar Trier Philosophie und Theologie. Priesterweihe 1834. War von 1834 bis 1837 Kaplan in Wittlich, seit 1838 Pfarrer in  Gillenfeld, seit 1857 Pfarrer in Zell/Mosel. 1857 promovierte ihn die Universität Freiburg im Breisgau zum Dr. theol. ehrenhalber. Erlangte als fHeimatforscher überregionale Bedeutung. Förderte den Volksschulunterricht und die Gesangvereine. Erforschte das Eifeler Brauchtum. Gründete 1845 die angesehene Zeitschrift „Der Schulfreund“, die er bis zu seinem Tode redigierte. Das Ziel: die enge Verbindung von Schule und Kirche festigen.

SAGEN DES EIFELLANDES nebst mehreren darauf bezüglichen Dichtungen

Trier 1847.
Teils dem „Munde des Volkes“, teils „verschiedenen Schriften“ entnahm Pfarrer Schmitz seine berühmt gewordene Sammlung von Eifelsagen. In einem knappen Vorwort begründete er den Reichtum an Sagen gerade in der Eifel: „Die Eifel ist an Sagen reich, was leicht erklärlich, da sie einen für Sagen besonders fruchtbaren Grund und Boden der Vorzeit darbot. Diese fand hier vorerst eine Menge seltsamer Naturgegenstände: Gewässer, schauerlich tief, von hohen Bergkesseln umschlossen; Klüfte und Höhlen, worin nie ein Strahl der Sonne drang; ungeheure Felsblöcke, bald zerstreut über die Erde hingelagert, bald übereinander gesetzt und hoch aufgethürmt u.a.m.; - sie fand ferner Burgen, mit majestätischen Thürmen und gewaltigen Mauern, zahlreich auf schroffen und unzugänglichen Höhen erbaut, und darin hausend ein kühnes, rüstiges, fehdelustiges und thatenreiches Rittergeschlecht und herrschend über die Gaue des gebirgigen und waldbedeckten Landes; - sie fand endlich, fern vom Geräusche der Welt, in stiller Einsamkeit, Klöster mit herrlichen Tempeln, Orte der Andacht, der Kunst und Wissenschaft und den Werken der christlichen Barmherzigkeit geweiht und durch ihre Segnungen wundersam verherrlicht. Dieß und Anderes mehr war es, was hier Stoff und Anregung zu Sagen reichlich bot.“ Die Eifelsagen sind teils in Gedichtform, teils in Prosa gefasst. Historischen Themen überwiegen, Burgen und Klöster, Ritter und Mönche dominieren. Den „Sagen“ hinzugesellt sind „Dichtungen“, die Stimmungsbilder, Danklieder und Brauchtumslieder sein können.
Erwähnte Eifelorte u.a.: Bad Bertrich, Birresborn, Burg Eltz, Hamm, Jünkerath, Klausen, Kloster Maria Laach, Kloster Steinfeld, Prüm, Hochsimmerberg, Hohes Venn, Pulvermaar, Weinfelder Maar.

SAGEN UND LEGENDEN DES EIFLER VOLKES,

Trier 1858.
Systematisch gruppiert und dabei teilweise einleitend kommentiert ist die zweite Sagensamlung von Pfarrer Schmitz. Das Motiv der Herausgabe ist, das fortschreitende Vergessen bei den Jüngeren, das Aussterben erzählkundlicher „Greise und betagte® Mütterchen“. Es sei an der Zeit, zu sammeln, was sich noch sammeln lasse. Schmitz verweist auf bereits vorliegende Sagensammlung von Ernst Weyden (Das Ahrtal, 1839), von Jacob Schneider (Das Kyllthal, 1843), von Gottfried Kinkel (Die Ahr, 1846) und von Joh. Bapt. Wend. Heydinger (Die Eifel, 1853). Er wirft ihnen jedoch vor, „die Sagen, welche für die deutsche Mythologie nicht ohne Werth sind, minder betrachtet, und zudem nicht selten Sagen nach Belieben umgestaltet, erweitert und ausgeschmückt“ zu haben. So habe man dem Leser eine unterhaltsame Lektüre bieten wollen. Für die Wissenschaft seien die Eifelsagen so aber wertlos geworden. Schmitz geht es um die originalgetreue Wiedergabe des volkstümlichen Erzählguts, so schlicht und schmucklos es auch sei. Nur im Notfall habe er auf schriftliche Quellen statt auf den „Volksmund“ zurückgegriffen. Und er wollte 1858 nur bislang unveröffentlichte Sagen veröffentlichen. In einem Schlusswort würdigte Professor Karl Simrock den Sammeleifer und den reichen Sammelertrag der Sagensammlung von Pfarrer Schmitz: „er hat einen Schatz gehäuft, den die Wissenschaft zu verwerthen nicht säumen wird“.
Erwähnte Eifelorte u.a.: Abtei Maria Laach, Abtei Steinfeld, Ahrweiler, Auw, Bad Bertrich, Bad Münstereifel, Barweiler, Birresborn, Blankenheim, Büdesheim, Burg Are, Burg Landskron, Dahnen, Dasburg, Dodenburg, Driesch, Elcherath, Großlittgen, Hohenfels, Jünkerath, Karlshausen, Kloster Himmerod, Kloster St. Thomas, Kyllburg, Landscheid, Maifeld, Malberg, Malmedy, Manderfeld, Messerich, Monschau, Nattenheim, Neroth, Neuerburg, Niederehe, Oberkail, Ormont, Otrang, Pützfeld, Rommersheim, Schankweiler Klause, Seinsfeld, Speicher, Ulmen, Wiesbaum, Willwerath, Zülpich, Laacher See, Pulvermaar, Weinfelder Maar.

Weitere Werke u.a.: Rathgeber für welche, welche nach Nordamerika auswandern wollen (1843), Allseitiges Gemälde der Eifel und ihrer nächsten Umgebung (1844), Sitten und Sagen, Lieder, Sprichwörter und Räthsel des Eifler Volkes nebst einem Idiotikon. Zwei Bände (1856-58).