Helmut Domke

Geboren am 19.04. 1914 in Recklinghausen, gestorben am 05.11. 1986 in Tegernsee.
Veröffentlichte Essays, Erzählungen und Landschaftsbücher. Studierte Philosophie, Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Göttingen und Kiel. 1939 Promotion. Soldat im 2. Weltkrieg, vielfach verwundet. Lebte seit 1948 als freier Schriftsteller am Tegernsee. Schrieb Theater- und Literaturkritiken für den „Rheinischen Merkur“, die „FAZ“ und den Rundfunk.

Poetische Liebeserklärung an den Landkreis Mayen

SCHNECKENREISE DURCH EINEN LANDKREIS,

München 1950.
Dem „Eigentlichen“ und Wesentlichen einer Landschaft auf die Spur zu kommen, dem Ideellen hinter der vordergründigen Erscheinung: das ist das Ziel dieser literarisch ambitionierten Beschreibung des Kreises Mayen. Die Landschaften und Bauwerke, die großen Gestalten und ihre Geschichte, das alltägliche Leben und Treiben im Wechsel der Tageszeiten und Jahreszeiten: in ihrer atmosphärisch dichten Schilderung leuchtet immer ein Sinnbildliches auf. Münstermaifeld mit seinen Kirchen und dem Domherrenhof wird so zum „Inbegriff der bürgerlichen und geistlichen Welt“, wie die Burg Eltz als „Inbegriff des Ritterlichen“ dargestellt wird. Im Westzipfel des Mayener Kreises, bei Kelberg, ist „die eigentliche Geschichte (...) eine Legende von der Einsamkeit, vom Untergang und Beharren.“ Im Lucasmarkt in Mayen, dem „Fest der Landbevölkerung“, sieht Domke „ein Symbol für die Rolle, welche Mayen schon in der Vorzeit spielte“. Dem Zauberhaften und Traumhaften der Landschaft ist Domke immerzu auf der Spur. Mit immer neuen Vergleichen und Metaphern versinnlicht und veranschaulicht die poetische Liebeserklärung an einen Landkreis die detaillierte, kenntnisreiche Beschreibung. Ihr Ziel: die Eifel nachhaltig zu erleben und tiefer zu verstehen. Domkes „Schneckenreise“ wird so zu einer poetischen Erlebnisreise. Hauptstationen der Reise sind: Münstermaifeld, Burg Eltz, Burg Pyrmont, Monreal, Kelberg, Virnebug, Mayen, Schloss Bürresheim, das Tal von Kempenich, das Maifeld, die Abtei Maria Laach, die Pellenz, das Brohltal, Tönnisstein, Andernach, Namedy und der Geysir. Größe und Mittelmaß, Beharrungskraft und Gefährdung, Märchenschönheit und Tristheit, Idylle und Schrecken, Anmutig-Leichtes und herbe Rauheit. Arbeitslandschaften durchwandert Domke dabei ebenso wie Kulturlandschaften und Naturlandschaften. Dem Bäuerlichen spürt er ebenso nach wie dem Bürgerlichen, dem Adligen und dem Geistlichen - mit immer neuen Exkursionen in die Geschichte, zeitrafferhaft verdichtet oder in breiten Einzelporträts ausgemalt. Als „Scherbensammler“ von „Ansichten, Eindrücken, Seufzern, Gerüchen“ versteht sich Domke, wie er in seiner einleitenden Fabel bekennt. Was er allerdings gleich zu Anfang beklagt: das mögliche Unverständnis für Ideelles in einer Zeit, die allein Materielles und praktisch Verwertbares gelten lasse.

Weitere Werke: Grundfragen der Hegelschen Kunstphilosophie (1939), Fünfzehn Gedichte (1959), Westfalen und Land an der Ruhr. Feuer, Erde, rote Rose (1959), Santiago. Der Weg nach Spaniens Norden (1967), Dichter in ihrer Landschaft oder das Unheil des Daseins (1969).