Heinrich Mann

Geboren am 27.03. 1871 in Lübeck, gestorben am 12.03. 1950 in Santa Monica bei Los Angeles/ USA. Schriftsteller. Bruder des Literatur-Nobelpreisträgers Thomas Mann.
Der Sohn eines Großkaufmanns und Reeders verließ vor dem Abitur das Gymnasium. Buchhandelslehre, Verlagsvolontariat. Verfechter der Demokratie der Weimarer Republik. 1933 Emigration nach Frankreich, 1940 in die USA. Erwies sich mit den erfolgreich verfilmten Romanen „Professor Unrat“ (1905) und „Der Untertan“ (1906) als scharfer Kritiker des wilhelminischen Kaiserreichs.

DIE JAGD NACH LIEBE.

Roman, Hamburg und Düsseldorf 1970 (zuerst erschienen 1903). Dieser Roman ist Heinrich Manns bayerisches Gegenstück zu seiner Berliner Satire „Das Schlaraffenland“ (1900). Es ist eine Satire auf die Dekadenz der Schwabinger Bohemewelt. Jäger nach Liebe ist der 20jährige Claude Marehn, kraftloser Erbe eines Millionenvermögens. Gejagte ist die Schauspielerin Ute Ende. Dem dekadenten Bürger verkörpert die Künstlerin  die Utopie eines intensiven, vollkommenen Lebens. Uta Ende geht es aber auch darum, Universalerbin zu werden und sich ein eigenes Theater kaufen zu können. Vornehmerlicher Schauplatz der Handlung ist das München der Jahrhundertwende, der Kunstbetrieb der Dichter und Maler in Schwabingen. Aber auch zur Eifel ist ein starker Bezug gegeben: In Düren erhält Ute ihr erstes Theaterengagement. Hier besucht sie Claude (Kapitel IX). „Düren, wie groß ist das eigentlich?“ ist ihre erste Frage, als sie vom Dürener Theater hört. „Düren, wo ist das?“ fragt ein anderer. Dass es in Düren nicht viel zu sehe geben, erklärt Ute ihrem Liebhaber gleich bei seinem ersten Besuch in der Eifel. Für Claude wird Düren zum Symbol, zum Spiegel der Seele: „Aber ist nicht überall Düren, überall gleichgültige, leere Strecke, außer wo Ute steht?“ Aber gerade in Düren beginnt die Bekanntschaft Claudes mit einer schauspielerischen Rivalin Utes, mit der Deutsch-Italienerin Gilda Franchini aus Frankfurt an der Oder. Mit ihr, die als Geliebte nicht nur im Dürener Theater Männerherzen betört, erfährt Claude gesteigerten Lebensgenuss. Dieser Seitensprung kompliziert aber die Beziehung zu Ute, wenngleich sich diese nicht von ihrem Plan abbringen lässt, mit Claudes Geld reich und berühmt zu werden. Der allzufrühe Tod Claudes macht solche Träume jedoch zunichte. Der Roman „Die Jagd nach Liebe“ zählt eher zu den schwächeren Romanen Heinrich Manns, über Strecken skizziert und trivial.

Weitere Werke: Haltlos (1891), Im Schlaraffenland (1900), Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen (1905; auch „Der Blaue Engel“), Der Untertan (1918), Die Jugend des Königs Henri Quatre (1935), Ein Zeitalter wird besichtigt (1946), Der Atem (1949).