Heinrich Malzkorn

Geboren 4.01. 1892 in Mönchengladbach, gestorben am 12. 03. 1980 in Süchteln. Schriftsteller, Maler, Naturschützer. Besuchte die Volks- und Oberrealschule. Lehrerausbildung an der Präparandenschulein Mönchengladbach-Odenkirchen. Erste Anstellung 1912 in Materborn bei Kleve. Teilnahme am 1. Weltkrieg. Danach Fortsetzung des Studiums der Kulturgeschichte, Literatur und Volkswirtschaft in Köln, Greifswald und Bonn. 1921 Syndikus des Rheinischen Bauernvereins und Geschäftsführer der Kreisbauernschaft. Mehrere gescheiterte Gastronomien im Raum Krefeld. 1933 Umzug in den Hunsrück. Arbeitslos bis 1938. Danach immer wieder Unterrichtstätigkeit am Niederrhein und in Thüringen. Reaktivierung des Lehrer-Pensiionärs von 1963 bis 1968 an der katholischen Volksschule Bracht.

Jagdszenen und Liebesabenteuer in der Vulkaneifel

Die schwarze Lies. Ein Jagdroman aus den Eifelbergen.

Krefeld 1934. Den Jagdschriftsteller Fritz Straubinger zieht es ebenso wie seine Stammtischfreunde vom Niederrhein mehrmals im Jahr in die Eifel. In den Eifelwäldern am Mosenberg, an der Kyll und um Bettenfeld kann er ausspannen von Eheproblemen und sich zu sich selber finden. Als Weidmann in der Tradition des Hermann Löns geht es ihm weniger um das Schießen und Beutemachen, als vielmehr um „das Erleben der Natur, das Schauen ihrer tiefsten Geheimnisse in der Beobachtung von Wild und allem Geschöpf“. Dazu gehört „eine künstlerische Seele, die erschauen und aufjubeln kann unter dem Eindruck des allgewaltigen und geheimnisvollen Naturgeschehens draußen in Wald und Heide“. Der Leser nimmt teil an Straubingers Eifelfahrten und Pirschgängen im Laufe eines Jahres, von Winter zu Winter. Unterkunft findet er in der weltentrückten Eifeleinsamkeit der Heidsmühle bei Manderscheid, unweit der Mühle von Clara Viebigs „Müller-Hannes“. Nach anfänglich vergeblichen Pirschbummeln durch die verschneiten Eifelwälder Straubinger bald schon der Held einer großangelegten Sauhatz. Bei der anschließenden Feier in einer Wirtsstube mit Musik und Tanz fällt ihm die Küchenhilfe Lies aus Eisenschmitt auf, ein großes, schlankes, schwarzhaariges Mädchen. Mit einer berauschenden Jagdansprache und einem selbst gedichteten Jagdlied erobert Straubinger vollends ihr Herz. Wie eine Verkörperung der Jagdgöttin Diana mutet dem Jäger das einfache Eifelmädchen an. Die gefühlvolle Beziehung vertieft sich beim nächsten Jagdaufenthalt am Mosenberg im Frühling. Eine tragische Richtung bekommt sie jedoch, als der eifersüchtige, volltrunkene Nebenbuhler Christian Urdenbach sie auf dem nächtlichen Nachhauseweg beim Kloster Himmerod vergewaltigt. Im Wissen um die ungewollte Schwangerschaft nimmt Lies auf dem Mosenberg ein letztes Mal Abschied von ihrem geliebten Straubinger. Dann bleibt die Lies lange verschollen. Dass sie in einem Hotel an der Mosel arbeite, erfährt Straubinger erst im Herbst. Bei der Mutter von Lies häufen sich indes die schlechten Nachrichten: Sie erfährt von der Vergewaltigung. Und davon, dass die Lies ihre Arbeitsstelle an der Mosel verloren habe, wegen angeblicher Verführung des Hotelierssohns. Das ist zu viel für das schwarze Mutterherz: Sie stirbt auf der Stelle an Herzinfarkt. Als Lies heimkehrt, ist ihr Mutter schon auf dem Friedhof beerdigt. Irre geworden, stürmt sie den verschneiten Mosenberg, vermeintlich Fritz Straubinger entgegen. Der findet sie wenig später tot im Schnee: Lies ist gestolpert und mit der Stirn auf einem verschneiten Grenzstein aufgeschlagen. Mit professioneller Routine strukturiert und geschrieben, preist der Roman vor allem die Naturschönheit der Eifel im Wechsel der Jahreszeiten und die Jagderlebnisse in den Eifelwäldern. Malzkorns Roman ist immer wieder auch eine Verbeugung vor der Eifelschriftstellerin Clara Viebig mit der Anspielung auf Schauplätze und Romanhandlungen.

Weitere Werke: Rheinischer Bursch (1921); Patschel. Schicksale einer Fischottersippe (1949), Herzschlag der Wälder (1962).