Heinrich Benedikt Capellmann

Geboren am 16.6. 1892 in Kornelimünster bei Aachen. Der Todestag ist unbekannt.
Verfasser von Geschichten und Schauspielen. Besuch des Lehrerseminars von 1910 bis 1913 in Kornelimünster bei Aachen, bis 1920 Lehrer im wallonischen Dorf Xhoffraix bei Malmedy. Kämpfte während des 1. Weltkriegs in Mazedonien. Als sein Schulort 1920 an Belgien abgetreten wurde, siedelte Capellmann nach Conzen im Kreis Monschau um. Seit 1925 wirkte er als Lehrer in seinem Heimatort Kornelimünster.

EXITUS und andere Venngeschichten,

Paderborn 1924.
Das Hohe Venn, die Einsamkeit und Weite der Vennlandschaft bilden den Schauplatz der frühen Erzählungen Heinrich Capellmanns. Der 1. Weltkrieg von 1914 bis 1918 und der Versailler Vertrag von 1919/20  markieren gerade in den wallonischen Venndörfern leidvolle historische Zäsuren - Zeitenscheiden zwischen Glück und Unglück. Dem einäugigen Zwergkrüppel Basil Bastin, genannt „Quasimodo“, wird ein zugelaufener Hund die einzige Lebensfreude in seinem Venndorf. Nach seiner Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg, wo er dem Arbeitsdienst zugeteilt war, findet er seinen einzigen Freund nicht mehr vor. Man hat ihn nach  Eupen verkauft. An einem nebligen Winterabend geht Quasimodo über das Venn, um ihn zurückzuholen. Herrchen und Hund begegnen sich um Mitternacht im Venn. Quasimodo hat sich verletzt auf einem Stein am „Kahlen Loch“ niedergelassen. Der Hund „Modo“ kommt ihm, aus einer Schussverletzung blutend, entgegen. Tags darauf findet man beide tot im Venn, ein Sinnbild unverbrüchlicher Treue. („Quasimodo und sein Hund“) Die 160 Seiten starke Titelerzählung „Exitus“ ist das Kernstück der Sammlung und hat den Autor vor allem bekannt gemacht. Sie ist eine einzige Verurteilung des 1. Weltkriegs als Unglück für die Völker, nicht zuletzt auch für die Menschen im deutsch-belgischen Grenzraum. Hart trifft der Krieg die Familie Dekart in einem einsamen Vennhaus nahe einem kleinen Venndorf. Mutter Dekart verliert ihre Söhne Jean und Pierre im Krieg, ein Enkelkind schon bei der Geburt und ihre Tochter Marie kurz nach dem Ende des Krieges. Und Nikolas, Maries Ehemann, wird  auf einem verwegenen Schmuggelgang durch das mitternächtliche Moor um ein Haar von einem eifersüchtigen Nebenbuhler ermordet. Zu allem Überdruss dezimiert eine Rinderpest, von verseuchten Beutetieren aus dem Krieg herrührend, noch den ohnehin bescheidenen Viehbestand. Als Nikolas und Pierres ehemalige Freundin Chatrine nach dem Ende des Krieges mit zähem Fleiß gerade die gröbsten Aufbauschwierigkeiten überwunden haben, werden sie zusammen mit der alten Mutter Dekart der Heimat verwiesen. Teils betrübt, teils hoffnungsvoll nehmen sie Abschied von der fluchbeladen wirkenden Heideheimat. Sie siedeln über in das Deutsche Reich. Dieses Schicksal bestätigt den eingestreuten Erzählerkommentar: „Bei denen aber, die aus dem Felde heimkehrten, da waren gar manche, die fanden wohl ihr Haus wieder, aber nicht mehr ihr Heim und nicht mehr ihr Glück und nicht mehr ihren Frieden. Das alles hatte der Krieg verschlungen wie ein gefräßiges Raubtier.“ Lazar ist der Name eines zwerghaft kleinen und schwachen Krüppels aus reicher Familie. Sein Vergebung heischendes Geständnis am Nikolausabend, einmal in der Kirche gestohlen zu haben, bringt den Vater in Rage. Er prügelt den verhassten Sohn krankenhausreif. Erst jetzt erfährt der arme Lazar lang vermisste Liebe und Freundlichkeit auch von seinem Vater. „Wer wird dich liebhaben, wenn ich fort bin?“ fragt der Junge in der Sterbensstunde die Mutter. Da erst erkennt der Vater, von Schuldgefühlen geplagt, die starke Liebe seine kö“rperlich und geistig schwachen Sohnes. Er verspricht dem sterbenden Kind , die Mutter immer liebzuhaben. „Die Seele des kleinen Lazar aber stieg jubelnd in lichte Höhen, rein und makellos, weil Gott es ihm zur Gerechtigkeit zählte, daß er zwei Menschen wieder zur Liebe verbunden“, lautet der Schlusssatz der Erzählung „Die schlechte Tat“. Dieser Schlusssatz ist zugleich der Schlussatz des ganzen Erzählbandes.

Weitere Werke: Wie Ritter Reinhard von Eynendal zu St. Cornely Gnade fand (1925), Land in Not. Schauspiel (1928), Gänseliesel bei den Zwergen. Märchenspiel (1930), Tile Oslinger und sein Hof. Eine Bauernchronik aus dem Hohen Venn. Novelle (1937).