Gerhard Nebel

Geboren am 26.09. 1903 in Dessau, gestorben am 23.09. 1974 in Stuttgart.
Schriftsteller.
Zog nach dem Tod seiner Eltern nach Koblenz, wo er 1922 das Abitur ablegte. Von 1923 bis 1927 Studium der Philosophie und Altphilologie in Freiburg, Marburg und Heidelberg. 1927 Promotion über „Plotins Kategorien der intelligiblen Welt“. Nach zwei Staatsexamina Schuldienst im Ruhrgebiet. Vom Schuldienst suspendiert wegen sozialistischer Agitation. Erneute Unterrichtstätigkeit am Regino-Gymnasium Prüm (Eifel) 1933, die wiederum mit Suspendierung endet. War später Studienrat in Köln, wo er vertretungsweise Deutschlehrer von Heinrich Böll war. Unterrichtete 1937 in Opladen. Kam nach Einberufung zur Luftwaffe 1941 nach Paris, wo er mit Ernst Jünger zusammentraf. Musste 1955 den Schuldienst aus beruflichen Gründen verlassen. Reiste und publizierte viel. Intensiv beschäftigte er sich mit der griechischen Antike.

Wiedersehen mit der Westeifel in der Nachkriegszeit

Wiedersehen mit Prüm. In: Hinter dem Walde.

16 Lektionen für Zeitgenossen, Hamburg 1964, S. 114-126.
„Es war eine Rettung, als ich im Frühjahr 1933 von Köln an das Regino-Gymnasium Prüm versetzt wurde“. So beginnt Gerhard Nebel seinen biographischen Essay über seine Prümer Pädagogenzeit. Von „Rettung“ spricht er deswegen, weil die Kölner Polizei längst schon einen „Christian Herzog“ suchte (Tarnname des jungen Nebel). Der war als Mitglied der Kölner Sozialistischen Arbeiterpartei immer wieder in Straßenschlachten mit Nazis verwickelt gewesen. Die „abgelegenste Eifel“ bietet zumindest Schutz vor weiteren polizeilichen Nachstellungen, wenn auch wenig geistige Anregungen. Der biographische Rückblick wird zur historischen Studie, wo Nebel das Versagen der Linken in der Endphase der Weimarer Republik und selbstkritisch die paradiesischen Heilsversprechungen der Kommunisten kritisiert. Und wo er den Anpassungsdruck und die Anpassungsbereitschaft nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten in der Kleinstadt Prüm analysiert. Auch die Explosionskatastrophe in Prüm und die Aufbauleistungen nach dem Kriege finden Eingang in den Essay. Von lokalem Interesse ist das Bild, das Nebel von Prüm zeichnet. Er leidet unter der Enge und „Dörflichkeit des 2000 Einwohner zählenden Prüm“ und träumt sich am  Bahnhof der weiten Welt entgegen, zumindestens nach Köln oder Düsseldorf. Nach dem Krieg kehrte er auf einer Eifelreise von Münstereifel nach Malmedy auch nach Prüm. Er bekundet seinen Respekt vor den regen Aufbauleistungen. Die Schneifelwälder mit ihren bizarren Baumstümpfen sieht er noch vom Krieg gezeichnet und bereits von amerikanischen Truppen (Radarstation). Was ihn nicht hindert, in eine verwunschene Märchenwelt wegzutauchen: „Wir sahen denn auch die Riesenschirme, die sich suchend drehten, aber diese Geräte konnten unsere Waldverzauberung nicht vernichten – wir waren auf einigen Gängen, die uns von der Straße abführten, dem Einhorn begegnet“, schließt er seinen Essay.


Weitere Werke: Feuer und Wasser (1939), Vom Geist der Savanne (1941), Von den Elementen (1947), Bei den nördlichen Hesperiden (1948), Griechischer Ursprung (1948), Ernst Jünger. Abenteuer des Geistes (1949),  Unter Partisanen und Kreuzfahrern (1950), Weltangst und Götterzorn (1951), Feuer und Wasser (1955), Homer (1959), Pindar und die Delphik (1961), Zeit und Zeiten (1965), Sokrates (1969), Hamann (1973).