Emmi Elert

(geb. Freiin von Eelking)
Geboren 25.8. 1864 in Bremen, gestorben 27.10. 1927 in Bad Bertrich.
Ihr Vater war der Mediziner Johann Hermann Georg Friedrich v. Eelking.
E. lebt u.a. in Hirschberg (Schlesien), in Marburg (Lahn) und seit 1899  in Bad Bertrich. Ihr Ehemann Bruno Elert, ein Offizier, den sie 1884 geheiratet hatte,  war dort von 1899 bis 1929 Staatlicher Badekommissar. Hier lernte E. Clara Viebig  kennen, die dort ihren Urlaub verbrachte. Verfilmt wurde ihr Roman „Die Ehe der Luise Rohrbach“. Die Premiere des Schwarz-Weiß-Stummfilms mit Henny Porten und Emil Jannings in den Hauptrollen fand 1917 in Berlin statt.

AUF VULKANISCHER ERDE. Roman, 1903.

Liebe, Leidenschaft in der Vulkaneifel – und ein Hauch von „Weiberdorf“.
Eifelorte: Das fiktive „Klinzig“, angelehnt an den Kurort Bad Bertrich, mit nahem Heiligenhäuschen beim Auderather Kreuz.

Um heimliche Liebe, um verführte Unschuld, Ehre, Treue, Eifersucht und Mord geht es in Emmi Elerts erstem Roman. Schauplatz ist das Dorf „Klinzig“ in der Vulkaneifel, nahe der Mosel. Zeit der Handlung: um 1885. Klinzig ist ein Kurort, reizvoll in einem Kraterkessel gelegen. Eine aufstrebende Sommerfrische, die mit der wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung ihr dörfliches Aussehen und zugleich den Charakter der Menschen geändertt, die Lenchen bislang „in Ordnung  hat. Denn die Klinziger von 1885 sind nichtmehr die „schmutzigen, stumpfsinnigen Eifelbauern“ (S. 18) von früher, die dem rauen Heimatboden kärgliche Nahrung abringen mussten. Und auch die Bauernweiber sind nicht mehr die derben „Arbeits- und Zuchttiere“ der frühen Jahre mit „struppigen, ungewaschenen Kinder(n)“ im Straßenschmutz (S. 19). Statt Felder zu bestellen, haben die Klinziger Männer Logierhäuser angebaut und sich mit steigendem Wohlstand immer mehr dem Müßiggang zugewandt. Als Männer tüchtiger Frauen haben sie auch so ein gutes Auskommen. Denn fleißige und zierliche Schenk- und Stubenmädchen, Büglerinnen, Köchinnen und Logierwirtinnen beherrschen jetzt das Bild in der „Eifelsommerfrische Klinzig“ – auch eine Art „Weiberdorf“. Mit ihrer führenden Position in Haus und Küche, und sei es in gepachteten Wirtschaften, steigerte die Frau ihre soziale Stellung und ihren Einfluss. Nicht zuletzt auch ihre Attraktivität auf dem Heiratsmarkt. Besonders umworben ist in Klinzig Lenchen Krämer. Ihr hat der Vater, ein Witwer, die beste Wirtschaft im Ort gepachtet. Eine Wirtschaft, die Lenchen bislang „in Ordnung und mit Ehren“ geführt hat. Doch sie gerät zunehmends in den Dorfklatsch. Den Kutscher Mathis Winzen, mit dem sie ein Jahr lang ging, weist sie neuerdings ab. Statt dessen empfindet sie jetzt zum Gendarmen Heinz „wirkliche, heiße Liebe“. Grund genug für Mathis, die Untreue seines Schatzes zu beklagen und wütende Flüche auf den Gendarmen auszustoßen, zuletzt auf einer Kutschfahrt zum Bahnhof Gillenfeld („Ich schlag en dot!“). Auch die Dorfburschen wollen dem Gendarmen am Abend dieses Tages heimzahlen, dass er sie mit Protokollen überzieht und ständig mit Frauen poussiert. Groß ist das Entsetzen im Dorf, als man anderntags den Gendarmen tot beim Heiligenhäuschen auffindet. Hier pflegte er Lenchen zu nächtlicher Stunde zu treffen. Spontan verdächtigen die Dorfbewohner einen Zigeuner, dessen Frau tags zuvor im Heiligenhäuschen entbunden hatte und mit dem der Gendarm in Streit geraten war. Die Gerichtskommission von Cochem verhaftet den Tatverdächtigen und sperrt ihn in einem Koblenzer Gefängnis ein. Er beteuert jedoch seine Unschuld. Die Burschen fühlen sich ebenfalls unschuldig, haben sie doch dem Gendarmen bei ihrem nächtlichen Streich nur den Säbel zerschlagen. Der Mathis, Rivale des getöteten Gendarms, liegt seit jenem denkwürdigen Tag mit schwerer Übelkeit im Bett. Mit viel Alkohol hatte er auf seiner Fahrt nach Gillenfeld den Ärger weggespült und sich von Schonzen Lies am späten Abend noch das Gebüsch unterhalb des Heiligenhäuschens zeigen lassen. Dort hatte die Lies das Lenchen bei heimlicher Liebe mit dem Gendarmen beobachtet. Nach dem gewaltsamen Tod des Gendarmen durchlebt Lenchen schreckliche Tage. Der war, wie man jetzt erst erfährt, mit einer Mutter von sechs Kindern verlobt gewesen. Je weniger Lenchen ihre Schwangerschaft verbergen kann, umso mehr wirbt Lenchen wieder um Mathis. Sie möchte vermeiden, dass ihr Kind in Schande zur Welt kommt. Aber es gelingt ihr nicht und auch nicht ihrem Vater, nicht einmal mit einer versprochenen Mitgift von 3000 Mark, Mathis oder gar irgendeinen Klinziger Knecht für eine Heirat zu gewinnen. Betrogen vom Gendarm Heinz, verstoßen von Mathis, durchlebt Lenchen schwere Seelenkämpfe. Sie hadert mit dem Vorrecht der Männer, Frauen verführen und alleine lassen zu dürfen. Derweil umwirbt die faule und schlampige „Schonzen Lies“ den Mathis. Der aber wirft mehr ein Auge auf die ältliche Suschen Bonzen wirft. Eifersüchtig umlauert ihn die Lies gerade an den Karnevalstagen des neuen Jahres. Sie fragt Mathis  nach den Geschehnissen in der Mordnacht. So groß ist ihr Hass auf Mathis, dass sie ihren Verdacht der Polizei mitteilt. Am Aschermittwoch wird Mathis im Elternhaus verhaftet. Die Beweislast ist erdrückend: Im Familienschrank findet sich die blutbefleckte Sonntagsjacke vom Vorjahr. Mathis legt ein Geständnis ab: „Jo – jo - ! Ich war et - ! Ich han et getan!“ Völlig betrunken, ohnmächtig vor Wut, hat er im Handgemenge den Gendarmen unglücklich getroffen, Während sich Lies und Suschen sofort öffentlich vom „Mörder“ distanzieren, findet Mathis Trost nur bei Lenchen. „Sein Lenche war ja doch das einzigste Mädchen gewesen, an dem er gehangen! Und nun adieu! Nun hatten sie beide zu büßen für ihr Dummheit und hatten doch beide nicht schlecht werden wollen!“ Mit viel Geschick und früher Erzählroutine zeichnet Emmi Elert die innere Wandlung der Hauptpersonen nach, legt sie das Motivationsfeld ihrer Handlungen frei. Eindrucksvolle Landschaftsbeschreibungen vertiefen symbolisch das Geschehen. Was sich im Dorf Klinzig im Kraterkessel abspielt, sind eruptive Entladungen menschlicher Leidenschaften, der Liebe wie des Hasses. So bekommt die „vulkanische Erde“ ebenso ihre symbolische Bedeutung wie die umgeworfenen Baumriesen an einem Weiher, die Mathis im Herbststurm beobachtet hat. Gleich diesen hat es ihn in wilder Nacht in einem Sturm dahingerissen. Symbolisch ist auch die Schlussszene des Romans: An einem trüben Aschermittwoch, „unter dem Geläute der Glocken, die zur Frühmesse, zum Aschenkreuz riefen“, beginnt der schuldig gewordene Mathis den Weg der Sühne und Buße. Historisch interessant ist das breit dargestellte Karnevalsbrauchtum in einem Eifeldorf, der anschaulich skizzierte Strukturwandel in der Eifel vor de Jahrhundertwende, die mit Sympathie geschilderten Ansätze früher Frauenemanzipation und die tiefgreifenden Ressentiments der Dorfbewohner gegenüber Zigeunern.

Es folgt in Kürze:

Die Grundmühle. Eifel-Roman, 1908.

Weitere Werke: Bad Bertrich. Natur und Geschichte (1900); Führer durch das königliche Bad Bertrich, das Moselgebiet und die vulkanische Eifel (1902); Funken unter der Asche. Roman (1904); Zaungäste des Glücks. Roman (1905); Kameraden. Ein soziales Bild aus dem Leben (1910); Lebende Fackeln. Roman (1911); In falschen Geleisen. Roman (1912); Des Gesetzes Freipaß. Roman (1913); Heimat Landstraße. Roman (1914).