Elke Erb

Geboren 18.2. 1938 in Scherbach/ Eifel (jetzt Rheinbach in der Voreifel, nahe Bonn)
Schriftstellerin, Lektorin, Übersetzerin.  Tochter des Schriftstellers und marxistischen Literaturwissenschaftlers Ewald Erb. Besuchte die katholische Volksschule in Neukirchen (Eifel). Im Dezember 1949 Übersiedlung in die DDR, nach Halle. Dort Besuch der Grund- und Oberschule bis zum Abitur. Nach Studium und Lehrerexamen (1963) Lektorin beim Mitteldeutschen Verlag Halle. Seit 1966 freischaffende Schriftstellerin, seit 1968 erste Publikation von Gedichten. Ehe mit dem DDR-Schriftsteller Adolf Endler (1968 bis 1978). Zahlreiche Auszeichnungen und Literaturpreise: u.a. Peter-Huchel-Preis (1988),  Heinrich-Mann-Preis (1990, zusammen mit Adolf Endler), Erich-Fried-Preis (1995), Hans-Erich-Nossack-Preis (2007), Preis der Literaturhäuser (2011),  Roswitha-Preis (2012), Georg-Trakl-Preis für Lyrik (2012), Ernst-Jandl-Preis (2013).

Nachts, halb zwei, zu Hause. Texte aus drei Jahrzehnten. Leipzig 1991.

Eifel-Erinnerungen einer renommierten Gegenwartsautorin.
Eifelorte: Voreifel, Scherbach, Neukirchen (bei Rheinbach im Rhein-Sieg-Kreis)

In der Eifel wurde sie geboren, in der Eifel verbrachte Elke Erb elf Jahre ihrer Kindheit. Wesentlich geprägt vom 2. Weltkrieg, von der Einsamkeit und Armut der Eifel. Der Vater im Krieg, die Mutter allein mit drei Kindern (Elke, Gisela, Ute). Da mussten Mutter und Töchter sparsam wirtschaften und schon früh hart arbeiten. Holz sammeln, Kartoffeln lesen helfen, Löwenzahn stechen für die Kaninchen, Früchte sammeln und einmachen, Jacken stricken, Waffeln backen – diese Alltagsverrichtungen in ländlicher Gegend beschreibt Elke Erb präzise in ihren „Eifel-Erinnerungen“. Gewidmet sind sie ihren Eltern. In der Erinnerung haften bleiben da Alltagsverrichtungen inmitten des Krieges, im „Dritten Reich“, ebenso wie künstlerisch-phantastische Gegenwelten: der unermüdliche Lesehunger, die Lust am Zeichnen, die Märchenwiese im Wald. „Alles war da, der Krieg, der Nachkrieg und das Land“, schreibt sie über ihre literarische Erinnerungsarbeit, verfasst 1970. Noch in einem Interview mit  dem Schriftsteller Gregor Laschen anlässlich der Verleihung des Peter-Huchel-Preises 1988 äußerte sie sich über ihre biographischen Ursprünge in der Eifel: „Wenn Du vom Elternhaus anfängst, dann denke ich an das Elternhaus, in dem ich geboren wurde in der Eifel. Das ist die Voreifel, eine ziemlich einsame Gegend: drei Häuschen gegenüber und unseres. Unseres ohne den Vater, der im Krieg ist, mit der Mutter, die diese drei Morgen Land bewirtschaftet, um uns drei Kinder zu ernähren. Dann kam ich 1946 in die Schule,  zwei Jahre zu spät. Ein Jahr, das erste Jahr, zurückgestellt, weil ich mit sechs Jahren nur 30 Pfund wog, das zweite Jahr, weil Kriegsende war. Und als ich dann lesen lernte, habe ich mich nur so gestürzt in das Lesen-können. Das erste, was ich selbständig las, war ‚Der Schweinehirt’ von Andersen, noch in deutscher, in gotischer Schrift. (...) Und ich weiß noch, ich sehe mich noch: Ich glaube, sie schnipseln Bohnen in der Küche mit einer Apparatur, und ich sitze auf einem Schemel und lese ‚Robin Crusoe’ völlig gebannt. Nie hatte mich so etwas so erglühen gemacht wie dieses Buch.“ Mit elf Jahren, so äußert sie im Interview mit Gregor Laschen weiter, sei ihre Mutter mit den Kindern zum Vater nach Halle gezogen. Ein Wegzug aus dem ländlichen Raum nicht ohne Schwierigkeiten: „Ich wollte eigentlich aus der Eifel fort. Ich habe da gedacht, als Kind, es muß jetzt was kommen, das geht nicht so weiter, daraus muß jetzt etwas erwachsen, aus diesem ländlichen Dasein, war also einverstanden damit, in die Stadt zu kommen. Und dann war in der Stadt natürlich kein Heimatboden mehr, sondern als Boden war nur angeboten dieser Schulunterricht und das, was dieser Staat war, also mit Friedenskampf und mit Wilhelm Pieck und mit Buntmetall sammeln und die Pionierorganisation und alle diese Unterrichtsfächer. Und ich habe das nachher ‚Kopfboden’ genannt. Ich bin in den Überbau hineingegangen, als ob es mein Heimatboden sei, und es kam jetzt darauf an, in diesem Überbau, auf diesem ‚Kopfboden’ zu leben.“

Die Crux.

Basel - Weil am Rhein 2003.
In den vier Texten des Bandes beschäftigt sich Elke Erb mit dem Älterwerden. Sie interessiert der Mensch, der im Alter sein wird, und nicht weniger der Mensch,  der sie als Kind war. Das führt einmal mehr zu Erinnerungen an ihre Kindheit in der Eifel, zu Gedanken an den Vater und an die Mutter. „Die Dichterin aus Prenzlauer Berg, Jahrgang 1938, hat ihre streng-ironische Selbstbespiegelung und den Rückgriff auf die Kindheit, die Gedanken an den Vater – «Sympathie einer Knospe zum Stamm» – und an die in sich verschlossene Mutter – «Eifel-Selbst-Welt» – ganz unverquält aufgeschrieben. Berlinerin seit langen Zeiten, nomadisiert sie auch zur eigenen Überraschung heimlich zurück zu den «ländlichen Reizen» der Eifel. Retour ins versponnen Vorpubertäre, bei dem Vater und Onkel mit vor-erotischer Zuneigung gezeichnet sind. Wieder sind es bei dieser spröden, in ihren Beobachtungen des anderen und des Selbst hartnäckig insistierenden Lyrikerin die Prosa-Sätze, die wie Volten wirken“, schrieb dazu die Literaturkritikerin Ingeborg Ruthe in der Berliner Zeitung (20. 11. 2003) – unter der Überschrift: „Heimkehr in die Eifel-Selbst-Welt“.


Weitere Werke: Gutachten. Poesie und Prosa (1975); Der Faden der Geduld (1978); Kastanienallee (1987); Der tiefe Forst, der wilde Wald. Auskünfte in Prosa (1995); Gänsesommer. Gedichte (2005); Meins. Gedichte (2010).