Carl Ferdinands

(das ist Dr. med. Carl Ferdinand van Vleuten)
Geboren am 10.10. 1874 in Bonn, gestorben 1945. Mediziner und Schriftsteller.
Schrieb vornehmlich Kinder- und Jugendbücher. Der Sohn eines Landtagsabgeordneten studierte Medizin, Naturwissenschaften und Kunstgeschichte an den Universitäten Bonn und München. 1898 Promotion an der Universität Bonn. Wirkte seit 1899 als Arzt in Berlin. Von ihm stammt der Text des bekannten Liedes „Alle Tage ist kein Sonntag“ aus dem gleichnamigen Spielfilm (1935).

Bedrohte Eifel – zur Zeit der Normannenstürme

Normannensturm. Eine Eifelgeschichte aus alter Zeit.

Mainz 1908. Für die Reihe „Mainzer Volks- und Jugendbücher“, im ausgehenden Kaiserreich begründet, schrieb Carl Ferdinands Erzählungen aus alter Zeit. Sie sind angesiedelt in den Rheinlanden, in der Eifel oder in Trier. Seine Erzählung „Die Pfahlburg“ (1908) bildet sogar den Auftaktband dieser umfangreichen Reihe. Ihre Zielsetzung: „gute Erzählungen“ größere Umfangs, stofflich und formal an den Bedürfnissen der Jugendlichen orientiert. Mit spannender Handlung, poetischem Anspruch und aufwendiger Ausstattung (Schrift, Illustrationen). Nicht selten entstammen die Stoffe kriegerischen Phasen deutscher Geschichte: von der Jungsteinzeit bis hin zu den Freiheitskämpfen gegen Napoleon. Ob gegen Römer, Normannen, Schweden oder Franzosen: Allemal sind Heimat und Vaterland in Gefahr, da in feindlicher Hand, und nur durch helfende Kampfbereitschaft zu befreien. Jugendliteratur am Vorabend des 1. Weltkriegs.
Die Erzählung „Normannensturm“ setzt ein mit der Rückkehr zweier Eifeler Ritter aus der siegreichen Normannenschlacht an der Dyle bei Löwen 891. Sie endet mit einem Sieg über die Nordmänner im Jahre 892 bei Dasburg in der Westeifel. Ein weiter Weg ist es freilich bis zum siegreichen Zusammenstehen gegen den äußeren Feind. Eine Fehde zwischen dem Kloster Prüm und dem Normannensieger Graf Rotmar von Mürlenbach, durch eine umstrittene Schenkung König Arnulfs ausgelöst und von  Ritter Waltram von Bettingen gezielt geschürt, bindet wertvolle Kräfte. Während ein Prümer und ein Viandener Aufgebot wochenlang Burg Mürlenbach belagern, verfolgt Rotrams ehemaliger Kriegsfreund Waltram immer unverhüllter eigennützige Ziele. Burgherr von Mürlenbach, Vogt des Klosters Prüm und Besitzer des riesigen Klosterschatzes möchte er werden. Diese Ziele verfolgt er noch, als sich die Fehdeparteien längst versöhnt und gegen die brandschatzenden Normannen in Prüm verbündet haben. Hug von Lothringen, aufrührerischer Sohn des verstorbenen Kaisers Lothar und nur widerwillig Mönch im Kloster Prüm, hat aus Rache den Normannen den Weg in die Eifel gewiesen. Seine Herrschaftspläne zerschlagen sich aber ebenso wie die Intrigen Waltrams. Dieser wird von Normannenhand in Prüms Abteikirche getötet. Jener kehrt nach der endgültigen Niederlage der Normannen bei der Feste Dasburg reuig ins Kloster Prüm zurück. Neuer Prümer Abt wird der berühmte Regino. Sein Vorgänger, Abt Farabert, hat sich ins Kloster Maximin in Trier zurückgezogen. Und Graf Rotmar heiratet schließlich doch noch seine Verlobte Hildegard, Tochter des lange befehdeten Klostervogts Burkhard. Ein besonders Denkmal setzt das Buch dem einfachen Volk: den Bauern, Handwerkern und kleinen Händlern, deren entschlossenes Handeln in der Not erst den Sieg über die Normannen ermöglicht habe. Bei aller problematischen Zeitbedingtheit des literarischen Programms, des historischen Bildes und der historischen Wahrheit: Was Carl Ferdinands „Normannensturm“ für Eifelfreunde heute noch interessant macht, sind die lebendigen Einblicke in das Alltagsleben der Eifel im frühen Mittelalter. Wie man in Prüm oder in der Schneifel, in Birresborn, Neroth, Mürlenbach, Dasburg oder Gerolstein lebte und arbeitete, auf Burgen, in Klöstern und in Siedlungen, auf Meierhöfen und auf Herrensitzen der ausgedehnten klösterlichen Grundherrschaft: das hat Carl Ferdinands durch sorgfältige historische Recherchen anschaulich zu machen versucht. Illustrationen im zeitgenössischen Jugendstil vertiefen die Anschauung.

Weitere Werke: Frauenlob (1898), Im Sommergarten. Lieder und Märchen (1906, 2. Auflage 1925), Vernichter und Vernichtete. Sieben Erzählungen (1906), Die Pfahlburg (1908), Um die Kaiserstadt. Eine Erzählung aus der Zeit Konstantins (1913, 2. Auflage 1922), Die Höhlenbären. Eine rheinische Pennälergeschichte (1922), Die drei Treuen aus Kaltenborgn (1923), Sommertag. Kinderlieder (1929), Familie Steinpilz. Kinderreime (1932).