Batti Dohm

Geboren am 1.1. 1897 in Gerolstein, gestorben am 31.07. 1977 in Gerolstein. Geologe, Paläontologe und Schriftsteller.
Sohn des Volksschulrektor Stefan Dohm. Besuchte das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier und das Regino-Gymnasium in Prüm. Studierte Chemie an der Universität Bonn, dann Geologie an der Universität Greifswald. 1925 Promotion zum Dr. phil. Lebte als freiberuflicher Geologie in Gerolstein. Er errichtete in Gerolstein das erste naturkundliche Museum im damaligen Hotel Heck. Es wurde bei einem Bombenangriff 1944 total zerstört.  Er veröffentlichte zahlreiche fachliche Aufsätze und Bücher, heimatgeschichtliche Werke zu Gerolstein. Dohm war Mitbegründer  eines Gerolsteiner Verkehrsvereins  und von 1953 bis 1972 Leiter des Gerolsteiner Verkehrsamts.

Der Islek als dämonische Welt

Madame. Roman einer Landschaft und einer schönen Frau.

Göttingen 1948. In einer Gestapozelle sei dieser Roman entstanden, fern der Eifelheimat, schreibt Batti Dohm im Herbst 1947 über die Entstehung seines Romans „Madame“. Die Titelgestalt ist die Offizierstochter Jutta von Klampt aus Pommern. Mit ihr verlobt sich der reiche Winzer Wenzel von Liers aus dem Dorf Kayl an der Obermosel. Die weitverzweigte Verwandtschaft im französisch-belgisch-luxemburgischen Grenzland ist davon nicht eben begeistert. Eine „pommersche Kiefer“ ins Rheinland zu verpflanzen, kann nach ihrem Dafürhalten nicht gelingen. Schon bald aber findet die pommersche Braut allerorten Sympathien. Das obere Moseltal wird ihr zur neuen Heimat. Für alle ist sie die „Madame“. Mit dem Norddeutschen und dem Westdeutschen im Grenzgebiet stoßen zwei Kulturen aufeinander, bedeutet uns der Erzähler. Je heimischer Jutta an der Mosel wird, umso mehr entfremdet sie sich dem Pommerschen. Aber ganz heimisch wird sie nicht, weil sie keinen Zugang findet zur katholischen Religion. Damit fehlt ihr jener „Abwehrstoff“, der gegen manche Grenzerfahrung immunisieren könnte. Auf ausgedehnten Besichtigungsfahrten in die Römerstadt Trier und in die Eifel interessiert sie sich für das Zusammentreffen verschiedener Kulturen und vor allem für den spannungsvollen Gegensatz zwischen Christentum und dämonischen Gewalten. Auf der winterlichen Fahrt in die Eifel erfährt der Leser in Gesprächen und Begegnungen viel über das Bitburger Gutland, über die Vulkaneifel als dem eigentlichen Herzen der Eifel. Ebenso über Maria Laach und die Anziehungskraft vulkanischer Gegenden in der Menschheitsgeschichte allgemein. Der Islek verkörpert für Jutta die gefürchtete heidnische Vorzeit, die dämonische Welt: „nein, hier sagt man nicht ‚Madame’! ging es Jutta durch den Sinn. Eine stille Sehnsucht und Liebe kam sie an – nach Kayl und nach den Leuten im Moseltal. War dieses steinerne Herz des Islek nicht schlimmer als aller Nebel? Wie konnten diese Menschen hier zum gleichen Stamm gehören wie die unten im Tal, das gleiche Blut haben? Ist die Macht der Landschaft über den Menschen so groß, daß sie ihn so verschieden formen kann, körperlich und seelisch? Der Weinberg dem fröhlichen Winzer, der Gau, das Gutland, der Bekof dem Herrenbauern und Pferdezüchtern, der Islek dem harten, knorrigen, unbeugsamen Eburonen, der etwas so Düsteres hat, daß es die heidnische Vorzeit wachruft? Als sie aufbrachen, stand die Sonne tief im Westen. Jetzt, da das Licht, das alles erhellt und umspielt hatte, geschwunden war, trat die Unwirtlichkeit, Rauhheit und Härte dieser Höhen noch stärker hervor.“ Dem gefürchteten Dämon der Landschaft fällt schließlich auch Jutta zum Opfer. Letztlich ist sie in der „neuen Heimat“ doch fremd geblieben. Sie wird krank und stirbt. Mit Sohn Jesco hinterlässt sie eine Erinnerung an ihre Existenz, die bald schon in raunenden Märchen im Moseltal fortlebt.


Weitere Werke u.a.: Stielauge der Urkrebs. Eine Chronik aus den Urzeiten unserer Erde (1933, Neuauflagen 1943 und 1997).