Antonie Haupt

(das ist Viktorine Endler, geb. Bleser)

Geboren am 17.01. 1853 in Trier, gestorben am 29.01. 1932 in Hannover.
Tochter des Arztes Dr. med. Bleser. Nach dem Tod des Vaters 1878 begann E., sich schriftstellerisch zu betätigen. Das Pseudonym „Antonie Haupt“ geht auf ihre Großmutter mütterlicherseits zurück. Nach der Heirat mit dem Kaufmann Bernhard Endler aus Hannover (1887) siedelte die Schriftstellerin nach Hannover über. Hier wohnte sie bis zu ihrem Tode. Sie war Ehrenmitglied im „Verein Trierisch“. Im Trierer Stadtteil Weismark-Feyen trägt eine Straße den Namen „Antonie-Haupt-Straße“.

Die letzte Gräfin von Manderscheid.

Trier 1884; 2. Auflage 1896; 3. Auflage 1905; neubearbeitet unter dem Titel „Erika von Manderscheid“ 1925).
Ein Frühlingstag im Jahre 1794: Die Stadt Trier bietet ein friedliches Bild. Doch die paradiesische Frühlingspracht an der Mosel trügt: Französische Revolutionstruppen sind wieder auf dem Vormarsch, mit Plünderungen und Brandschatzungen. Schon im Februar 1794 hat Kurfurst Clemens Wenzeslaus eine allgemeine Bewaffnung angeordnet. Und am Abend des 1. Juni 1794: Da lagern schon 500 Soldaten auf der Bergeshöhe gegenüber der Stadt, entschlossen, das Erzstift zu verteidigen Ihr Führer ist Graf Antonius Boos von Waldeck. Wenig später sehen wir ihn bei einem prächtigen Fest in Trier, im alten Palast des Kurfürsten Clemens Wenzeslaus. Dort trifft Graf Boos eine „stolze Schöne“, die seinen künftigen Lebensweg bestimmen wird, auch wenn sie ihn zunächst verschmäht: Gräfin Erika von Manderscheid. Als „letzte Gräfin von Manderscheid“ ist sie entschlossen, nicht vor den Franzosen zu fliehen und das Stammschloss Manderscheid zu verteidigen. Der wechselhafte Krieg mit den französischen Revolutionstruppen und die wechselhafte Liebesbeziehung zwischen Antonius und Erika bestimmen hinfort den ganzen Roman. Auch die Liebesbeziehung soll dabei, wie uns die Erzählerin noch in einer Schlussdeutung im 17. Kapitel nahelegt, als ein „Kampf“ gesehen werden: als ein Kampf zunächst des jungen Antonius gegen das falsche Standesbewusstsein der Gräfin von Manderscheid. Ihr dünkelhafter Adelsstolz führt dazu, dass sie den vermeintlich bürgerlichen Major Antonius beim kurfürstlichen Fest abweist. Tief gekränkt, sucht Antonius nunmehr ihren Hochmut zu strafen. Als er auf kurfürstlichen Befehl den Schutz der Burgen von Manderscheid übernimmt, führt er sich dort unter bürgerlichem Namen ein. Er lehnt Erikas Heiratsantrag ab, als man sich schon längst menschlich nähergekommen ist und sich die „stolze Schöne“ längst schon als aufopfernde Helferin der Armen ohne sozialen Dünkel erwiesen hat. Nach erfolgreicher Abwehr der französischen Angriff verlässt Antonius mit einer „Todeswunde im Herzen“ Manderscheid. Erst muss er noch die Vorurteile seines Mannesstolzes bekämpfen, durch schicksalhafte Erfahrungen reifen, bis er Erika seine Liebe offen gestehen kann. Dann findet jedoch die Liebesbeziehung mit Versöhnung und Hochzeit ein Happy end. Antonie Haupts Roman ist eine Absage an die Ideen der Französischen Revolution und ein Lobpreis der Fürstenherrschaft in Deutschland. Die verteidigt sie gegen Vorwürfe von „Despotismus“ und „Willkürherrschaft“. Rund 15 Jahre nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 gibt ihr Roman Gelegenheit, Feindbilder gegen die Franzosen zu erneuern.  Als „kühne Amazone“, als „jugendliche Heldin“ wird Gräfin Erika schon bei ihrem Erscheinen im kurfürstlichen Palast zu Trier charakterisiert. Und Graf Antonius ist am Ende des Romans, nach Wiedergenesung von schwerer Verwundung, wieder das, was er schon eingangs des Romans war: ein „jugendfrischer Held“, dem die Befreiung des Vaterlands wichtiger ist als das persönliche Glück. Seine ungebrochene Anschaulichkeit gewinnt der  Roman durch detailgenaue und atmosphärisch dichte Beschreibungen von Schauplätzen und Personen.

Weitere Werke: Ein adliger Sproß. Novelle (1884), Das Geheimnis des Waldes von St. Arnual (1885), Heideröslein (1886), Der heilige Rock (1891), Bernward von Hildesheim.  Erzählung aus Niedersachsens Vorzeit (1893, Neuauflage 2013), Hexe und Jesuit (1893), Moselgeschichten (1899), Der Weg zum Glück. Das goldene Dach zu Hildesheim  (1900),  Redende Steine. Geschichtliche Erzählungen aus der Vergangenheit des Trierer Landes (1902), Unter dem Kreuzesbanner. Erzählungen (1913, Neuauflage 2009), Freiheit. Vier Erzählungen aus den Trierer Landen (1925), Erika von Manderscheid. Ein Roman aus den letzten Tagen des Erzstiftes Trier (1925).