Alfred Gulden

Geboren 25.1. 1944 in Saarlouis.  Erzähler, Dramatiker, Liedermacher, Filmemacher.
Gymnasialzeit in Saarlouis und Prüm  (Abitur 1964).  Studierte Germanistik, Theaterwissenschaften und Sprechwissenschaft in Saarbrücken und München.  Ist seit 1979 als Fernsehregisseur und freier Schriftsteller tätig. G. lebt in München und Wallerfangen/ Saarland. Auszeichnungen und Preise: u.a. 1983 den Deutsch-französischen Journalistenpreis, 1986 den Stefan-Andres-Preis und 1994 den
Kunstpreis des Saarlandes.

Ohnehaus. Roman. München 1991.

Prägende Jugendjahre in der Waldstadt Prüm


In Guldens dritten Roman sind wiederum autobiographische Anspielungen auf die Eifel eingeflossen: auf die Internatszeit im Bischöflichen Konvikt und auf die Schulzeit am Regino-Gymnasium – im Prüm der späten 50er und frühen 60er Jahre. Der junge Mann Nils redet um sein Leben, aus Angst vor dem Verlust von Stimme und Sprache. In einem Staccato von Ellipsen, Reihungen, Häufungen und Gegensätzen bricht sich die Erinnerung an prägende Lebensstationen Bahn: an das Elternhaus, an die Konviktszeit, an eine Wohngemeinschaft und an eine gescheiterte Zweierbeziehung. Sprachtherapeutische Spurensuche nach den Ursprüngen von Entwurzelung und Unbehaustheit. Die  Kleinstadt Prüm selbst erscheint ob ihrer drückenden Enge als „Krähennest“. Vordergründig hergeleitet von der naturgeschützten Krähenkolonie, gut sichtbar und hörbar „am Hang“ gegenüber dem Konvikt. In drei Briefen aus „Prr“ und in Erinnerungen an zwei junge Buchhändlerinnen prallen zwei Seiten einer Kleinstadt aufeinander. Hier die sittenstrenge, lückenlos geregelte und überwachte Welt des katholischen Internats, gedacht für Priesternachwuchs. Frauen waren da gleichbedeutend mit „Sünde“ und „Teufel“. Auf der anderen Seite: die trickreich geschaffene heimliche, private Gegenwelt mit ersten erotischen Abenteuern. Was an stadtgeschichtlichen Prümer Katastrophen Eingang gefunden hat in den Roman: die Explosionskatastrophe von 1949, das Ertrinken von Konviktoristen im Kratersee auf dem Kalvarienberg – das spiegelt nur im Großen, äußerlich Spektakulären das Leiden der Romanfigur Nils im Internats- und Schulalltag.

Weitere Werke: Da  eewich Widdaspruch. Mundartlyrik (1978); Nur auf der Grenze bin ich zu Haus. Aufsätze (1982); Die Leidinger Hochzeit (1982); Greyhound. Roman (1982); Silvertowers. Geschichten aus New York (1993).

Es folgt in Kürze:

Auf dem großen Markt (1977).